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Publishers Newswire Announced Today its Latest List of Books to Bookmark, for Q4/2008
REDONDO BEACH, Calif. -- Publishers Newswire, an online resource for small publishers, as well as lesser known and first-time book authors, has announced its latest quarterly 'Books to Bookmark' list, for Q4/2008. This list is a round-up of new and interesting books which are often missed due to not originating from big name authors, or major New York book publishing houses.

Book, 'Letters From Heroes', captures triumphs of the men and women who served in World War I and II
GILROY, Calif. -- The hardships, struggles, hopes and triumphs of the men and women who served in World War I and World War II is wonderfully captured in 'Letters From Heroes' (ISBN: 978-1-58909-570-0), by Edward T. Cook, a new book just published by Bookstand Publishing. This poignant collection of real letters from real servicemen allow the reader to see things through the eyes of these soldiers and understand their thoughts about war, training, sickness, the enemy and even their food.

In New Book, Mystery of the 6,000 Year Old Science and Art of Astrology Has Been Solved
SAN FRANCISCO, Calif. -- Author of the new book, ASTROMASKS (ISBN: 978-0-615-23386-4), Vijay Rishii Ph.D., announced today that his book reveals the secret code behind the ancient and controversial science of astrology. The author decodes astrology using a new concept of complementary pairs, and gives new meanings to the zodiac signs and their real connection to humans on earth, which has never been done before in the entire history of astrology.

Mary, Erzaehlung - Bjornstjerne Bjornson

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Als die Zeit fortschritt, mussten sie beide taeglich zusammen ins
Treibhaus. Die Blumen darin waren ihr Vorboten dessen, was in ihr wuchs;
sie wollte jeden Tag nach ihnen sehen. "Ob sie wohl darueber reden?"

Und dann eines Tages, als das erste Anzeichen da war, dass der Winter
hier von der Kueste weichen wollte, und sie gemeinsam oben am sonnigen
Hang das erste Gruen gepflueckt hatten, da merkte sie, dass sie schwach
wurde; jetzt kam ihre grosse Stunde. Ohne sonderliche Schmerzen vorher,
ihre Hand in seiner, gebar sie eine Tochter. Die gerade hatte sie sich
gewuenscht. Aber es war ihr nicht bestimmt, das Kind aufzuziehen; denn
drei Tage spaeter war sie tot.

* * * * *

Die neue Marit


Der Arzt befuerchtete lange, Krog wuerde auch sterben. Rein an
Ueberanstrengung. In seiner langen Einsamkeit war er nicht daran gewoehnt
gewesen, sich so hinzugeben oder so unendlich viel zu empfangen, wie ihm
das Zusammenleben mit ihr gebracht hatte. Erst ihr Tod offenbarte, wie
schwach er geworden war, wie wenig Widerstandskraft er noch hatte. Der
schwache Rest brauchte Monate, um sich so weit zu erholen, dass er die
Naehe anderer Menschen ertrug. Man erzaehlte ihm, das Kind sei zu seiner
Schwester gebracht. Sie fragten ihn, ob er es sehen moechte. Fast
unwillig wandte er sich ab. Das erste, was er ernstlich erwog, als er
sich kraeftiger fuehlte, war, sich von dem Geschaeft zu befreien. Er beriet
sich darueber mit "Onkel Klaus", einem Verwandten, einem wunderlichen
alten Junggesellen, der allgemein so genannt wurde. Durch seine
Vermittlung wurde das Geschaeft veraeussert. Nicht aber das Haus, in dem es
sich befand,--das sollte in allen Teilen zur Erinnerung an sie
unveraendert bleiben.

Anders Krogs erster Gang war zur Kapelle und zum Grabe, und das griff
ihn so an, dass er wieder krank wurde. Sobald er sich erholt hatte, gab
er seine Absicht kund, auf Reisen zu gehen und fortzubleiben. Seine
Schwester kam erschrocken zu ihm herueber; das sei doch wohl nicht wahr?
"Du willst uns und das Kind doch nicht verlassen?"--"Ja, ich kann es in
meinen eigenen Stuben nicht aushalten", antwortete er und brach in
Traenen aus.--Aber er muesse doch auf jeden Fall das Kind erst
sehen?--"Nein, nein! Das am allerwenigsten."

Er reiste ab, ohne es gesehen zu haben.

Aber natuerlicherweise war es das Kind, das ihn wieder nach Hause zog.
Als es drei Jahr alt war, wurde es photographiert,--und diese
Photographie ... solch einer Aehnlichkeit mit der Mutter, solchem
kindlichen Liebreiz konnte er nicht widerstehen. Von Konstantinopel aus,
wo er sich gerade aufhielt, schrieb er: "Jetzt habe ich bald drei Jahre
gebraucht, um das, was ich in einem erlebt habe, noch einmal zu
durchleben. Ich kann nicht sagen, dass ich es mir schon ganz zu eigen
gemacht habe. Namentlich wird viel Neues hinzukommen, wenn ich die
Staetten wiedersehe, wo wir zusammen waren. Aber soweit bin ich durch das
tiefere Hineinleben dieser Jahre doch gekommen, dass ich diese Staetten
nicht mehr scheue; im Gegenteil, ich sehne mich jetzt nach ihnen."

Die Begegnung mit der neuen Marit wurde ein Fest fuer ihn. Nicht sofort;
denn zuerst hatte sie natuerlich Angst vor dem fremden Mann mit den
grossen Augen. Aber es erhoehte seine Freude, wie sie vorsichtig, nach und
nach ihm naeher kam. Als sie schliesslich auf seinen Knien sass mit den
beiden neuen Puppen, einem Tuerken und einer Tuerkin, und ihm diese in die
Nase steckte, damit er niesen sollte, weil die Tante das auch getan
hatte, da sagte er mit Traenen in den Augen: "Ich habe nur eine Begegnung
erlebt, die noch herrlicher war."

Sie siedelte also mit dem Kindermaedchen in sein Haus ueber. Ihr erster
gemeinschaftlicher Gang war zum Grabe der Mutter, auf das sie Blumen
legen sollte. Das tat sie auch; aber sie wollte sie wiederhaben. Nichts
half, was sie auch versuchten. Das Maedchen pflueckte ihr schliesslich
andere; aber die wollte sie nicht; sie wollte ihre eignen. Sie mussten
ihr also die Blumen lassen und die neuen aufs Grab legen. Er dachte:
"Das ist nicht die Mutter."

Der Versuch wurde wiederholt. Jeden Tag sollte das Grab der Mutter mit
Blumen geschmueckt werden, und von ihr. Er teilte die Blumen in zwei
Teile; die eine Haelfte trug er, die andere sie. Er wuenschte, sie solle
ihre hinlegen und seine wieder mit nach Hause nehmen. Aber es gelang
nicht. Ja, schlimmer als das; denn als sie den Kirchhof verliessen,
bestand sie darauf, er sollte seine Blumen auch wieder mit nach Hause
nehmen. Und er musste nachgeben. Am naechsten Tage versuchte er etwas
anderes. Sie trug ihre Blumen zu der Mutter Grab, er aber gab ihr
Zuckerwerk, damit sie die Blumen liegen lassen sollte. Wirklich, sie gab
die Blumen gegen das Zuckerwerk ab, das sie in den Mund steckte. Aber
als sie gingen, wollte sie die Blumen auch noch haben. Das verstimmte
ihn.

Dann kam er auf den Einfall, die Mutter froere, Marit muesse sie
zudecken. Da meinte sie, Mutter solle doch heraufkommen, in ihr eigenes
Bett. Er hatte ihr naemlich gesagt, das leere Bett neben seinem sei
Mutters, und sie fragte bestaendig, ob Mutter nicht bald komme. Sie koenne
nicht kommen, sagte er; sie liege da draussen und froere. Das fuehrte
schliesslich zum Ziel. Sie breitete selbst die Blumen ueber die Grabstaette
und liess sie liegen. Auf dem Heimweg wiederholte sie mehrmals: "Jetzt
friert Mutter nicht mehr."

Er ueberlegte, was sie unter Mutter verstehen mochte. Er wuenschte, sie
solle die Bilder ihrer Mutter kennen, uebte aber vorher ihren Sinn an
Bildern von Tieren und Gegenstaenden. Dann ging er zu Bildern von seiner
Schwester und von sich selbst und von Personen ueber, die sie kannte. Als
sie damit ziemlich vertraut war, kam das erste Bild der Mutter an die
Reihe. Es machte keine Schwierigkeiten; sie durfte noch mehrere sehen
und lernte sie schnell von anderen unterscheiden. Nach Tisch, als sie
schlafen ging, wollte sie Mutter im Arm haben. Er verstand sie erst
nicht, und sie wurde ungeduldig. Da brachte er ihr das erste Bild der
Mutter; sie nahm es gleich in den Arm, deckte es zu und schlief ein.
Aber erst als sie mit vier Jahren einmal in der Kueche eine Mutter sich
um ihr krankes Kind muehen sah, ueberzeugte er sich, dass sie wusste, was
eine Mutter sei; denn sie sagte: "Warum kommt meine Mutter nicht und
zieht mich an und aus?"

Mit der Zeit wurden Vater und Tochter sehr gute Freunde. Noch mehr
Freude aber machte es ihm, als sie gross genug war, dass er ihr von Mutter
erzaehlen konnte. Von Mutter, die uebers Meer herueber zu Vater gekommen
sei und Maritchen mitgebracht habe. Wo Vater und Mutter zusammengegangen
waren, gingen sie nun beide; jeden Spazierweg. Er ruderte sie, wie
Mutter ihn gerudert hatte; sie fuhren zusammen zur Stadt, wie sie beide
getan hatten. Dort sass Marit auf den Stuehlen, die Mutter gekauft, und
auf denen sie gesessen hatte. Bei Tisch hatte sie Mutters Platz, bei
den Blumen im Treibhaus und im Garten war sie die Mutter, und sie half,
wie Mutter es getan hatte. Ein gar kluges, schoenes Kind! Mit dem roten
Haar und der schimmernd weissen Haut der Mutter, mit ihren grossen Augen
und denselben fein geschwungenen Brauen. Vermutlich wuerde sie auch ihre
gebogene Nase bekommen. Die Haende mit den langen Fingern hatte sie nicht
von der Mutter, auch die Gestalt nicht. Der Uebergang vom Kopf zum Nacken
mit der sanften Neigung stammte eher vom Vater. Die Schultern hatten
nicht die schoene geschwungene Linie wie der Mutter Schultern, sondern
waren mehr abfallend, und die Arme flossen sanfter daraus hervor. Es
trieb ihn jeden Abend nach oben, zuzusehen, wenn sie ausgezogen wurde.
Die Verschmelzung des maennlichen und des weiblichen Typus der Krogs, die
bisher so selten gewesen, die aber schon teilweise von der Mutter
repraesentiert worden war, gab es hier in der Vollendung. Marit schoss
hoch auf, ihre Augen waren gross und der Kopf fein geformt.

Er konnte sie nicht dazu bewegen, mit Kindern umzugehen; das langweilte
sie. Sie gingen nicht schnell genug auf ihre Ideen ein, die freilich
recht eigentuemlich waren. Die Felder hier waren doch ein Zirkus; der
Vater hatte ihr von Buffalo Bill erzaehlt. Indianer sprengten durch die
Arena, sie selbst an der Spitze auf einem weissen Pferde. Die Huegel waren
die Logen, die voll Menschen waren. Das konnten die anderen Kinder nicht
sehen. Auch das Reisenspielen auf dem Tisch, das ihr Vater sie gelehrt
hatte, verstanden sie nicht.

Als Siebenjaehrige noetigte sie ihren Vater, ihr ein Rad zu kaufen und sie
fahren zu lehren; er selbst fuhr ausgezeichnet. Das war aber doch der
Tropfen, der den Becher zum Ueberlaufen brachte und ihn bestimmte, sich
nach Unterstuetzung umzusehen.

Er hatte in Paris eine entfernte Verwandte kennen gelernt, eine Frau
Dawes; sie war in England verheiratet gewesen; als aber ihr einziges
Kind starb, hatte sie sich scheiden lassen und lebte in Paris als
Pensionsinhaberin. In dieser Pension hatte er sie taeglich bewundert. Er
war kaum je einem kluegeren Menschen begegnet. Er fragte bei ihr an, ob
sie zu ihm kommen, seinem Hause vorstehen und sein Kind erziehen wolle.
Sie sagte ohne Zoegern telegraphisch zu, und in weniger als einem Monat
hatte sie alles verkauft, war abgereist und hatte sich in ihren neuen
Wirkungskreis begeben. Ein Hueftleiden, das sie schon lange plagte, hatte
sich verschlimmert, so dass ihr das Gehen schwer fiel. Aber von ihrem
Rollstuhl aus, den sie mitgebracht hatte, und den ihre behaebige Person
vollstaendig ausfuellte, leitete sie das ganze Haus, ihn selbst
inbegriffen. Er war ganz erschrocken ueber ihre Tuechtigkeit. Sie kam
selten aus ihrem Stuhl heraus, aber trotzdem wusste sie alles, was
geschah. Waende hemmten ihren Blick nicht, eine Entfernung gab es nicht
fuer sie. Groesstenteils liess sich das aus der Schaerfe ihrer Sinne
erklaeren, aus ihrer Faehigkeit, Worte und Zeichen zu deuten, in Mienen
und Augen zu lesen, zu riechen und zu hoeren, Schluesse zu ziehen aus dem,
was sie wusste,--und siebentens und letztens daraus, dass sie zu fragen
verstand. Aber einiges war auch nicht zu erklaeren. Drohte einem, den sie
lieb hatte, eine Gefahr, so fuehlte sie das, wo sie auch war. Sie schrie
auf--in solchen Augenblicken sprach sie immer englisch--und war auf den
Beinen und Feuer und Flamme. So zum Beispiel an dem denkwuerdigen Tage,
da Marit mit ihrem Rad in den Fluss gefallen war und durch Maenner vom
Dampfer aus aufgefischt wurde; denn unten an der Landungsbruecke, wohin
sie gewollt hatte, war das Unglueck geschehen. Da stiessen sie und Frau
Dawes aufeinander, die eine triefend von Naesse und heulend, die andere
triefend von Schweiss und auch heulend.

Frau Dawes machte taeglich ihre Runde durch das Haus und, wenn es noetig
war, auch um das Haus herum. Weiter kam sie selten. Auf diesem Rundgang
sah sie alles, auch das, was erst spaeter geschah, versicherten die
Maegde.

Sie hatte etwas Schwimmendes an sich. Sie schwamm bestaendig in Papier.
Ihre Korrespondenz, die, wie Anders Krog behauptete, alle Personen
umfasste, die sie einmal in Pension gehabt hatte, setzte sie
ununterbrochen fort. In allen Sprachen und ueber alle Dinge; denn ihre
zweite Hauptbeschaeftigung war: das, was sie las--und sie las bis tief in
die Nacht hinein--in ihre Korrespondenz hineinzubringen. Sie drehte sich
nach dem Tisch mit dem Schreibpult um, sie wandte sich fort vom Tisch,
um zu lesen. An der Stuhllehne war eine Lesepultmechanik angebracht,
worauf das Buch lag; in der Hand hielt sie es selten. Sie zog Memoiren
jeder andern Lektuere vor, und davon plauderte sie nachher in ihren
Briefen. In zweiter Reihe kamen Kunstzeitschriften und Reiseliteratur.
Sie hatte ein kleines Vermoegen und kaufte sich alles, was ihr gefiel.

Das Kind unterrichtete sie nebenbei. In der Wohnstube an dem grossen
Tisch sassen sie, "Tante Eva" in ihrem Thronsessel, die Kleine ihr
gegenueber. Immer aber, wenn es noetig war, musste Marit an Tante Evas Pult
kommen. Der Unterricht ging so leicht vonstatten, dass die Kleine oft
vergass, dass es Schule war. Ja, selbst der Vater, der seine Bibliothek
dicht daneben hatte, vergass es oft, wenn er hereinkam und das Gespraech
oder die Erzaehlung mit anhoerte.

War der Unterricht leicht, so waren andre Dinge sehr schwierig und
fuehrten zu Kaempfen. Das ganze Verhalten des Kindes wollte sie aendern,
und da war ihr der Vater im Wege. Aber er wurde natuerlich geschlagen,
und noch ehe er ahnte, was Frau Dawes beabsichtigte. Marit sollte
gehorchen lernen, sie sollte einen Begriff von bestimmter
Zeiteinteilung, von Ordnung, von Hoeflichkeit, von Takt bekommen. Sie
sollte jeden Tag Klavier ueben, sie sollte bei Tisch huebsch gerade
sitzen und sich die Haende unzaehlige Male am Tage waschen; sie sollte
immer sagen, wohin sie gehe. Und nichts von all dem wollte sie.
Eigentlich auch der Vater nicht.

Frau Dawes hatte einen einzigen festen Punkt, von dem sie ausgehen
konnte. Das war der unerschuetterliche Glaube des Kindes an die
Vollkommenheit seiner Mutter. Frau Dawes wusste sie davon zu ueberzeugen,
dass die Mutter nie spaeter als um acht Uhr schlafen gegangen sei. Sie
habe immer vorher ihre Kleider ordentlich auf einen Stuhl gelegt und
ihre Schuhe vor die Tuer gestellt.

Von dem, was die Mutter getan und bis zur Vollkommenheit getan hatte,
ging sie zu dem ueber, was die Mutter getan haette, wenn sie an Marits
Stelle gewesen waere; und vor allem, was sie _nicht_ getan haette, wenn
sie Marit waere. Das war schwieriger. So als Frau Dawes versicherte, die
Mutter sei immer nur so weit geradelt, wie man sie sehen konnte. "Woher
weisst Du das?" fragte Marit.--"Ich weiss es daher, dass Dein Vater und
Deine Mutter nie voneinander getrennt waren."--"Das ist wahr, Marit",
fiel der Vater ein, froh, dass er auch einmal zu dem ja sagen konnte, was
Frau Dawes einfiel; denn das meiste war doch durchaus nicht wahr.

Je weiter der Unterricht fortschritt, desto mehr Freude machte es Frau
Dawes selbst, und desto groesseren Einfluss gewann sie auf das Kind. Sie
machte es sich zur Aufgabe, das Traumleben Marits auszuroden, das ein
Erbteil der Mutter war und in ueppiger Bluete stand, solange der Vater
zuhoerte und seinen Spass daran hatte.

Einmal im Fruehjahr kam Marit schnell herein und erzaehlte ihrem Vater, in
dem alten Baum zwischen den Graebern der Mutter und der Grossmutter sei
ein kleines Nest und in dem Nest seien ganz, ganz kleine Eier. "Das ist
ein Gruss von Mutter, nicht?" Er nickte und ging mit ihr, um es zu
besehen. Als sie aber naeher kamen, flog der Vogel auf und piepte
jaemmerlich. "Mutter sagt, wir sollen nicht naeher heran?" fragte sie
ihren Vater.--Er bejahte es. "Dann wuerden wir Mutter stoeren?" fragte sie
weiter. Er nickte.----Sie gingen seelenvergnuegt wieder nach Hause und
sprachen den ganzen Weg von Mutter. Als Marit Frau Dawes hiervon
erzaehlte, sagte sie: "Das sagt Dein Vater nur, um Dich nicht zu
betrueben, Kind. Koennte Deine Mutter Dir eine Botschaft senden, so kaeme
sie selbst."--Die Revolution, die diese wenigen grausamen Worte
anrichteten, war nicht abzusehen. Sie veraenderten auch das Verhaeltnis
zum Vater.----

Die Schule ging ihren regelrechten Gang, die Erziehung auch, bis Marit
nahezu dreizehn Jahr alt war, lang und duenn und grossaeugig mit ueppigem,
rotem Haar und weisser, zarter Haut ohne Sommersprossen, was Frau Dawes'
besonderer Stolz war.

Da kam der Vater eines Tages aus der Bibliothek herein und unterbrach
den Unterricht. Das war in den ganzen Jahren nicht ein einzigesmal
geschehen. Marit bekam frei; Frau Dawes ging mit dem Vater in die
Bibliothek. "Bitte lesen Sie diesen Brief!"--

Sie las und erfuhr,--wovon sie nicht die leiseste Ahnung gehabt
hatte,--dass der Mann, der vor ihr stand und ihr Gesicht waehrend des
Lesens beobachtete, ein Millionaer war, kein Kronen-, nein, ein
Dollarmillionaer. Er hatte seit dem Tode des Onkels nach der ersten
vorlaeufigen Ausbezahlung der Bankguthaben und Aktien als Kompagnon des
Bruders nichts wieder abgehoben,--und dies war das Resultat.

"Ich gratuliere Ihnen", sagte Frau Dawes und fasste seine rechte Hand mit
ihren beiden. Ihr standen die Traenen in den Augen. "Ich verstehe Sie,
lieber Krog; Sie wuenschen, dass wir jetzt auf Reisen gehen?" Er sah sie
mit seinen leuchtenden Augen lachend an. "Haben Sie etwas dagegen, Frau
Dawes?"--"Durchaus nicht, wenn wir die noetige Bedienung mitnehmen; ich
bin ja einmal so schlecht zu Fuss."--"Das sollen Sie haben, und ueberall
halten wir uns einen Wagen. Der Unterricht kann fortgesetzt werden,
nicht wahr?"--"Ob er kann! Nur um so besser!" Sie lachte und weinte
zugleich, und sie sagte selbst, so gluecklich sei sie noch nie gewesen.

Vierzehn Tage spaeter hatten die drei mit einem Diener und einem Maedchen
Krogskog verlassen.

* * * * *

Der Thronwechsel


So gingen zweieinhalb Jahre hin, in denen der Vater einige Male in
Norwegen war, aber die anderen nicht. Dann dachten sie ernstlich daran,
einen Sommer in Krogskog zu verbringen. Aus diesem Grunde standen sie
alle drei in einem Konfektionsgeschaeft in Wien. Frau Dawes und Marit
sollten neue Kleider haben, besonders Marit, die aus ihren
herausgewachsen war. Es war in den ersten Tagen des Mai, und es handelte
sich um Sommerkleider.

"Dein Vater und ich, wir finden beide, Du musst jetzt lange Kleider
haben. Du bist schon so gross." Marit blickte zu ihrem Vater hin, aber
die Stoffe, die vor ihnen ausgebreitet lagen, hielten seinen Blick fest.
Frau Dawes sprach statt seiner. "Dein Vater hat oft gesagt, wenn Du mit
ihm gehst, sehen die Herren Dir so nach den Beinen."--Der Vater wurde
unruhig; selbst das Fraeulein hinter dem Ladentisch merkte, dass ein
Gewitter in der Luft lag. Sie verstand die Sprache nicht, aber sie sah
die drei Gesichter. Schliesslich hoerte der Vater Marit mit einer fremden,
aber freundlichen Stimme antworten: "Soll ich jetzt lange Kleider haben,
weil Mutter, als sie in meinem Alter war, auch welche trug?"--Frau Dawes
sah erschrocken Anders Krog an; er aber wandte sich ab. Dann wieder
Marit: "Tante Eva, Du warst doch natuerlich mit Mutter zusammen, als sie
damals lange Kleider bekam? Oder Vater vielleicht?"

Dann wurde nicht mehr von langen Kleidern gesprochen. Es wurde
ueberhaupt nicht mehr gesprochen. Sie gingen fort.

Weiter geschah nichts. Es ergab sich von selbst, dass sie am naechsten
Tage, statt zum Unterricht zu kommen, mit dem Vater ausfuhr, um die
Sache mit den Kleidern zu ordnen. Des weiteren, dass sie sich von dort in
die Museen begaben. Sie setzten diese taeglichen Ausfahrten bis zur
Abreise fort. Mit dem Unterricht war es vorbei. Als sei nichts
vorgefallen, gingen sie jeden Abend zu Dreien ins Konzert oder in die
Oper oder ins Schauspiel. Sie wollten die Zeit, die ihnen noch blieb,
ausnutzen.

In den ersten Tagen des Juni waren sie in Kopenhagen. Hier erwartete sie
ein Brief von Onkel Klaus. Joergen Thiis, sein Pflegesohn, sei Leutnant
geworden; Klaus wolle draussen in seinem Landhause einen Fruehlingsball
geben, aber er warte damit, bis sie heimkaemen. Wann sie kaemen?

Darauf freute sich Marit sehr. Den schoenen, schlanken Joergen kannte sie.
Er war der Sohn des Bezirksamtmanns, seine Mutter war Klaus Krogs
Schwester.

Also musste jetzt ein Ballkleid komponiert werden; die Erwaegungen waren
sehr kurz, keiner sagte vorlaeufig ein Wort. Das Spannende der Sache, ob
dieses Kleid wohl lang sein werde, verschloss jeder in seiner Brust. Als
der grosse Augenblick des Massnehmens kam, fragte die Dame, die es tat:
"Das gnaedige Fraeulein soll doch ein langes Kleid haben?" Marit sah zu
Frau Dawes hin, die rot wurde. Was aber schlimmer war: die Dame selbst
wurde auch rot. Sie nahm eilig nach dem kurzen Kleide Mass, das Marit
anhatte.

Am zwanzigsten Juni fand also der Ball statt. Ein schwueler Tag ohne
Sonne. Die Gaeste standen im Garten vor dem grossen Landhause, als das
Boot anlegte, mit dem Marit und ihr Vater kamen; sie waren die letzten.
Sie stieg allein aus. Der alte Klaus stapfte lang und duerr und mit
ungeheuer weiten Beinkleidern zu ihr hinunter, ohne Hut mit blanker
Glatze und feuchtglaenzendem Gesicht. Er hielt sie durch eine
Handbewegung zurueck, waehrend er zu Anders Krog im Boot hinuntersah:
"Willst Du nicht heraufkommen?"--"Nein, nein! Tausend Dank!" Das Boot
stiess ab. Jetzt erst sah er Marit an, die Frau Dawes in ihrem langen
Brief als die groesste Schoenheit beschrieben hatte, die sie je gesehen. Er
starrte sie an, verbeugte sich und kam naeher; er roch nach Tabak und
schmunzelte mit seinem grossen, weit offnen, unappetitlichen Munde. Bot
ihr dann seinen Arm. Sie aber in ihrem langen aermellosen Mantel tat, als
bemerkte sie es nicht. Er stutzte, folgte ihr aber zu den andern. Und
dann sagte er: "Hier bringe ich die Ballkoenigin." Das verletzte sie und
verletzte alle, so dass der Anfang nicht vielversprechend war. Joergen,
der Held des Abends, draengte sich vor, um sich zu erbieten, ihr Hut und
Mantel abzunehmen. Sie aber gruesste obenhin und ging weiter. Es lag Stil
darin. Unter den Zurueckbleibenden entstand sofort ein Gefluester. Die
Art, wie sie vorueberging, ihr Gesicht, ihre Haltung, ihr Gang, die
blendend schoene Haut, die leuchtenden Augen, die Woelbung darueber, die
feingeformte Nase ... das war alles aus einem Guss und alles vollendet.
Joergen Thiis war hin. Er selbst war ein grosser, schlanker Mensch vom
Krogschen Typ; nur die Augen waren ganz anders. Jetzt hingen sie wie
festgenagelt an der Tuer, hinter der sie verschwunden war. Er wartete auf
der Treppe.

Und wie sie wieder heraus und auf ihn zukam, um an seinem Arm zu den
andern hinunter zu gehen,--in einem kurzen Kleide aus lichtem,
wasserblauem Krepp mit durchbrochnen seidenen Struempfen von derselben
Farbe und in Silberbrokatschuhen mit antiken Schnallen, war sie ein
Bild. Die Bewunderung war einstimmig. Es wurde von nichts anderem
gesprochen, bis man zu Tisch ging. Auch da hoerte es noch nicht auf; es
gab Gespraechsstoff fuer die ganze Stadt. Dass ein so klassisch
geschnittenes Gesicht mit so leuchtenden Augen in dem weissen, weissen
Teint obendrein noch in einem Glorienschein von rotem Haar stand! Das
Ganze war harmonisch zu der hohen Gestalt mit den leicht abfallenden
Schultern und einer Bueste, die noch nicht voll entfaltet, aber von einer
Freiheit und Unabhaengigkeit war, als koenne sie losgeloest werden. Die
Arme, die Handgelenke, die Hueftbildung, die Fuesse ... es wurde beinahe
komisch; denn einige junge Herren stellten mit dem groessten Eifer die
Behauptung auf, die Knoechel seien das Allerschoenste. Sie haetten nicht
ihresgleichen. So duenn,--und mit dieser schwellenden Rundung nach
oben--? Nein, nirgends!

Joergen Thiis vergass das Reden, ja sogar eine Zeitlang das Essen, das ihm
sonst doch das Schoenste auf der Welt war. Er ging wie ein Schlafwandler
mit ihr. Wenn man sie sah, war er an ihrer Seite oder hinter ihr her.

Wegen des Balles hatten sich ihr Vater und Frau Dawes nach dem Hause in
der Stadt begeben. Sie wurden beim Morgengrauen geweckt von lautem
Schwatzen und Lachen vor dem Hause und schliesslich gar maennlichen und
weiblichen Hurrarufen; die Ballgaeste hatten Marit nach Hause begleitet.

Am aendern Tage bekamen die Alten Besuch von Verwandten und Freunden. Die
aelteren Leute, die auf dem Ball gewesen waren, erklaerten Marit fuer die
Schoenste, die sie seit Menschengedenken gesehen haetten. Der alte Klaus
war abends um neun noch in die Stadt gerudert und zu einigen Freunden
gepilgert, bloss weil sie kommen und sehen sollten.

Am Nachmittag praesentierte sich Joergen in Uniform und mit neuen
Handschuhen. Er wollte sich erlauben, nach dem Befinden des gnaedigen
Fraeuleins zu fragen. Das gnaedige Fraeulein habe noch nichts von sich
hoeren lassen.

Als sie schliesslich kam, war sie von etwas ganz andrem erfuellt als von
dem gestrigen Tage. Das merkte Frau Dawes sofort. Auch erzaehlte die
Ballkoenigin nicht das geringste von dem Balle. Sie beschraenkte sich
darauf, zu fragen, ob sie aufgeweckt worden seien. Dann ass sie. Als sie
fertig war und wieder hereinkam, erzaehlte ihr Vater, Joergen sei
dagewesen, um zu fragen, wie es ihr gehe. Marit laechelte. Frau Dawes:
"Findest Du Joergen nicht nett?"--"Doch."--"Worueber laechelst Du
denn?"--"Er hat so viel gegessen."--Jetzt fiel der Vater lachend ein:
"Das macht sein Vater, der Amtmann, auch so! Und regelmaessig sucht er
sich die besten Stuecke aus."--"Freilich."

Frau Dawes sass und wartete auf das, was jetzt kommen wuerde; denn es kam
etwas. Marit ging hinaus; nach einer Weile erschien sie mit Hut und
Sonnenschirm wieder. "Willst Du ausgehen?" fragte Frau Dawes. Marit
stand da und zog sich die Handschuhe an. "Ich gehe aus und bestelle mir
Visitenkarten."--"Hast Du keine Visitenkarten?"--"Doch; aber die alten
gefallen mir nicht mehr."--"Warum nicht?" fragte Frau Dawes sehr
verwundert; "Du hast sie doch damals in Italien so huebsch
gefunden?"--"Ja;--aber der Name gefaellt mir nicht mehr, meine
ich."--"Der Name?" Beide blickten auf. Marit: "Es ist gerade, als wenn
er gar nicht mehr zu mir gehoert,--meine ich."--"Marit gefaellt Dir
nicht?" fragte Frau Dawes. Der Vater warf leise hin: "Es war der Name
Deiner Mutter." Sie antwortete nicht gleich; sie fuehlte die entsetzten
Augen des Vaters.--"Wie moechtest Du denn heissen, Kind?" Das war wieder
Frau Dawes, die sprach. "Mary."--"Mary?"--"Ja. Das passt besser,--meine
ich." Die stumme Verwunderung der andern bedrueckte sie augenscheinlich.
Sie sagte: "Wir wollen ja jetzt doch nach Amerika. Da sagt man
Mary."--"Aber Du bist Marit getauft", sagte ihr Vater schliesslich
zaghaft.--"Was schadet das?"--Frau Dawes: "Es steht in Deinem
Taufschein, Kind; es ist Dein Name."--"Ja, in den Urkunden steht es
vielleicht, aber nicht in mir." Die beiden andern starrten sie an.


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