A » B » C » D » E
F » G » H » I » J
K » L » M » N » O
P » R » S » T
U » V » W » Z

- Links

Thrilling Holiday Gift Book: A Controversial, True Story - One Man Caught in U.S. Government Psychic Spy Experiments
SACRAMENTO, Calif. -- The ideal Christmas gift for those intrigued by governmental conspiracy, OPERATION BLUE LIGHT: My Secret Life Among Psychic Spies (Cherubim Publishing, ISBN 978-0-9816024-0-0), is one of the most scintillating memoirs ever to be written. A true story of deception and subterfuge, it took Philip Chabot 40 years to tell us about his amazing experience.

New Children's Book from Jeremy Zilber Lets Kids Know 'Mama Voted for Obama!'
MADISON, Wis. -- Building on the success of 'Why Mommy is a Democrat,' author and political activist Jeremy Zilber announces the release of his third self-published children's book, 'Mama Voted for Obama!' (ISBN: 978-0-9786688-2-2). With its Seuss-like use of repetition, rhythm, and rhyme, Mama Voted for Obama offers a whimsical celebration of Obama's historic presidential campaign while providing his supporters an entertaining way to let their kids know how they voted in 2008.

Epic Fantasy Book Series Website Honored in 2008 National Best Books Awards
LANCASTER, Texas -- The Green Stone of Healing(R) epic fantasy website is among the finalists of the 2008 National Best Books Awards sponsored by USABookNews, HealingStone Books announced today. The award-winning website is honored in the Best Website Design category. The site provides much-needed background for a complex saga packed with romance, intrigue, mysticism, and adventure.

Hamburgische Dramaturgie - Gotthold Ephraim Lessing

G >> Gotthold Ephraim Lessing >> Hamburgische Dramaturgie

Pages:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39


Bei einer gesuchten, kostbaren, schwuelstigen Sprache kann niemals
Empfindung sein. Sie zeugt von keiner Empfindung, und kann keine
hervorbringen. Aber wohl vertraegt sie sich mit den simpelsten,
gemeinsten, plattesten Worten und Redensarten.

Wie ich Banks' Elisabeth sprechen lasse, weiss ich wohl, hat noch keine
Koenigin auf dem franzoesischen Theater gesprochen. Den niedrigen
vertraulichen Ton, in dem sie sich mit ihren Frauen unterhaelt, wuerde man
in Paris kaum einer guten adligen Landfrau angemessen finden. "Ist dir
nicht wohl?--Mir ist ganz wohl. Steh auf, ich bitte dich.--Nur unruhig;
ein wenig unruhig bin ich.--Erzaehle mir doch.--Nicht wahr, Nottingham? Tu
das! Lass hoeren!--Gemach, gemach!--Du eiferst dich aus dem Atem.--Gift und
Blattern auf ihre Zunge!--Mir steht es frei, dem Dinge, das ich geschaffen
habe, mitzuspielen, wie ich will.--Auf den Kopf schlagen.--Wie ist's? Sei
munter, liebe Rutland; ich will dir einen wackern Mann suchen.--Wie kannst
du so reden?--Du sollst es schon sehen.--Sie hat mich recht sehr geaergert.
Ich konnte sie nicht laenger vor Augen sehen.--Komm her, meine Liebe; lass
mich an deinen Busen mich lehnen.--Ich dacht' es!--Das ist nicht laenger
auszuhalten."--Jawohl ist es nicht auszuhalten! wuerden die feinen
Kunstrichter sagen--

Werden vielleicht auch manche von meinen Lesern sagen.--Denn leider gibt
es Deutsche, die noch weit franzoesischer sind, als die Franzosen. Ihnen
zu gefallen, habe ich diese Brocken auf einen Haufen getragen. Ich kenne
ihre Art zu kritisieren. Alle die kleinen Nachlaessigkeiten, die ihr
zaertliches Ohr so unendlich beleidigen, die dem Dichter so schwer zu
finden waren, die er mit so vieler Ueberlegung dahin und dorthin streuete,
um den Dialog geschmeidig zu machen und den Reden einen wahrern Anschein
der augenblicklichen Eingebung zu erteilen, reihen sie sehr witzig
zusammen auf einen Faden und wollen sich krank darueber lachen. Endlich
folgt ein mitleidiges Achselzucken: "Man hoert wohl, dass der gute Mann die
grosse Welt nicht kennet; dass er nicht viele Koeniginnen reden gehoert;
Racine verstand das besser; aber Racine lebte auch bei Hofe."

Demohngeachtet wuerde mich das nicht irre machen. Desto schlimmer fuer die
Koeniginnen, wenn sie wirklich nicht so sprechen, nicht so sprechen
duerfen. Ich habe es lange schon geglaubt, dass der Hof der Ort eben nicht
ist, wo ein Dichter die Natur studieren kann. Aber wenn Pomp und Etikette
aus Menschen Maschinen macht, so ist es das Werk des Dichters, aus diesen
Maschinen wieder Menschen zu machen. Die wahren Koeniginnen moegen so
gesucht und affektiert sprechen, als sie wollen: seine Koeniginnen muessen
natuerlich sprechen. Er hoere der Hekuba des Euripides nur fleissig zu; und
troeste sich immer, wenn er schon sonst keine Koeniginnen gesprochen hat.

Nichts ist zuechtiger und anstaendiger als die simple Natur. Grobheit und
Wust ist ebenso weit von ihr entfernt, als Schwulst und Bombast von dem
Erhabnen. Das naemliche Gefuehl, welches die Grenzscheidung dort wahrnimmt,
wird sie auch hier bemerken. Der schwuelstige Dichter ist daher unfehlbar
auch der poebelhafteste. Beide Fehler sind unzertrennlich; und keine
Gattung gibt mehrere Gelegenheit, in beide zu verfallen, als
die Tragoedie.

Gleichwohl scheinet die Englaender vornehmlich nur der eine in ihrem Banks
beleidiget zu haben. Sie tadelten weniger seinen Schwulst, als die
poebelhafte Sprache, die er so edle und in der Geschichte ihres Landes so
glaenzende Personen fuehren lasse; und wuenschten lange, dass sein Stueck von
einem Manne, der den tragischen Ausdruck mehr in seiner Gewalt habe,
moechte umgearbeitet werden.[2] Dieses geschah endlich auch. Fast zu
gleicher Zeit machten sich Jones und Brook darueber. Heinrich Jones, von
Geburt ein Irlaender, war seiner Profession nach ein Maurer und vertauschte,
wie der alte Ben Jonson, seine Kelle mit der Feder. Nachdem er schon
einen Band Gedichte auf Subskription drucken lassen, die ihn als einen
Mann von grossem Genie bekannt machten, brachte er seinen "Essex" 1753
aufs Theater. Als dieser zu London gespielt ward, hatte man bereits den
von Heinrich Brook in Dublin gespielt. Aber Brook liess seinen erst einige
Jahre hernach drucken; und so kann es wohl sein, dass er, wie man ihm
Schuld gibt, ebensowohl den "Essex" des Jones als den vom Banks, genutzt
hat. Auch muss noch ein "Essex" von einem James Ralph vorhanden sein. Ich
gestehe, dass ich keinen gelesen habe, und alle drei nur aus den gelehrten
Tagebuechern kenne. Von dem "Essex" des Brook sagt ein franzoesischer
Kunstrichter, dass er das Feuer und das Pathetische des Banks mit der
schoenen Poesie des Jones zu verbinden gewusst habe. Was er ueber die Rolle
der Rutland und ueber derselben Verzweiflung bei der Hinrichtung ihres
Gemahls hinzufuegt,[3] ist merkwuerdig; man lernt auch daraus das Pariser
Parterr auf einer Seite kennen, die ihm wenig Ehre macht.

Aber einen spanischen "Essex" habe ich gelesen, der viel zu sonderbar
ist, als dass ich nicht im Vorbeigehen etwas davon sagen sollte.--


----Fussnote

[1] Zweite Unterredung hinter dem "Natuerlichen Sohne". S.d. Uebers. 247.

[2] ("Companion to the Theatre", Vol. II. p. 105.)--The Diction is every
where very bad, and in some Places so low, that it even becomes
unnatural.--And I think, there cannot be a greater Proof of the little
Encouragement this Age affords to Merit, than that no Gentleman possest
of a true Genius and Spirit of Poetry, thinks it worth his Attention to
adorn so celebrated a Part of History with that Dignity of Expression
befitting Tragedy in general, but more particularly, where the Characters
are perhaps the greatest the World ever produced.

[3] ("Journal Encycl.", Mars 1761.) Il a aussi fait tomber en demence la
Comtesse de Rutland au moment que cet illustre epoux est conduit a
l'echafaud; ce moment ou cette Comtesse est un objet bien digne de pitie,
a produit une tres grande sensation, et a ete trouve admirable a Londres:
en France il eut paru ridicule, il aurait ete siffle et l'on aurait
envoye la Comtesse avec l'Auteur aux Petites-Maisons.

----Fussnote




Sechzigstes Stueck
Den 27. November 1767

Er ist von einem Ungenannten und fuehret den Titel: "Fuer seine Gebieterin
sterben"[1]. Ich finde ihn in einer Sammlung von Komoedien, die Joseph
Padrino zu Sevilien gedruckt hat, und in der er das vierundsiebzigste
Stueck ist. Wenn er verfertiget worden, weiss ich nicht; ich sehe auch
nichts, woraus es sich ungefaehr abnehmen liesse. Das ist klar, dass sein
Verfasser weder die franzoesischen und englischen Dichter, welche die
naemliche Geschichte bearbeitet haben, gebraucht hat, noch von ihnen
gebraucht worden. Er ist ganz original. Doch ich will dem Urteile meiner
Leser nicht vorgreifen.

Essex kommt von seiner Expedition wider die Spanier zurueck und will der
Koenigin in London Bericht davon abstatten. Wie er anlangt, hoert er, dass
sie sich zwei Meilen von der Stadt auf dem Landgute einer ihrer Hofdamen,
namens Blanca, befinde. Diese Blanca ist die Geliebte des Grafen, und auf
diesem Landgute hat er, noch bei Lebszeiten ihres Vaters, viele heimliche
Zusammenkuenfte mit ihr gehabt. Sogleich begibt er sich dahin und bedient
sich des Schluessels, den er noch von der Gartentuere bewahret, durch die
er ehedem zu ihr gekommen. Es ist natuerlich, dass er sich seiner Geliebten
eher zeigen will, als der Koenigin. Als er durch den Garten nach ihren
Zimmern schleichet, wird er an dem schattichten Ufer eines durch
denselben geleiteten Armes der Themse ein Frauenzimmer gewahr, (es ist
ein schwueler Sommerabend), das mit den blossen Fuessen in dem Wasser sitzt
und sich abkuehlet. Er bleibt voller Verwunderung ueber ihre Schoenheit
stehen, ob sie schon das Gesicht mit einer halben Maske bedeckt hat, um
nicht erkannt zu werden. (Diese Schoenheit, wie billig, wird weitlaeuftig
beschrieben, und besonders werden ueber die allerliebsten weissen Fuesse in
dem klaren Wasser sehr spitzfindige Dinge gesagt. Nicht genug, dass der
entzueckte Graf zwei kristallene Saeulen in einem fliessenden Kristalle
stehen sieht; er weiss vor Erstaunen nicht, ob das Wasser der Kristall
ihrer Fuesse ist, welcher in Fluss geraten, oder ob ihre Fuesse der Kristall
des Wassers sind, der sich in diese Form kondensiert hat.[2]) Noch
verwirrter macht ihn die halbe schwarze Maske auf dem weissen Gesichte:
er kann nicht begreifen, in welcher Absicht die Natur ein so goettliches
Monstrum gebildet und auf seinem Gesichte so schwarzen Basalt mit so
glaenzendem Helfenbeine gepaaret habe; ob mehr zur Bewunderung, oder mehr
zur Verspottung?[3] Kaum hat sich das Frauenzimmer wieder angekleidet,
als, unter der Ausrufung: Stirb, Tyrannin! ein Schuss auf sie geschieht,
und gleich darauf zwei maskierte Maenner mit blossem Degen auf sie
losgehen, weil der Schuss sie nicht getroffen zu haben scheinet. Essex
besinnt sich nicht lange, ihr zu Hilfe zu eilen. Er greift die Moerder an,
und sie entfliehen. Er will ihnen nach; aber die Dame ruft ihn zurueck und
bittet ihn, sein Leben nicht in Gefahr zu setzen. Sie sieht, dass er
verwundet ist, knuepft ihre Schaerpe los und gibt sie ihm, sich die Wunde
damit zu verbinden. Zugleich, sagt sie, soll diese Schaerpe dienen, mich
Euch zu seiner Zeit zu erkennen zu geben; itzt muss ich mich entfernen,
ehe ueber den Schuss mehr Laermen entsteht; ich moechte nicht gern, dass die
Koenigin den Zufall erfuehre, und ich beschwoere Euch daher um Eure
Verschwiegenheit. Sie geht, und Essex bleibt voller Erstaunen ueber diese
sonderbare Begebenheit, ueber die er mit seinem Bedienten, namens Cosme,
allerlei Betrachtungen anstellt. Dieser Cosme ist die lustige Person des
Stuecks; er war vor dem Garten geblieben, als sein Herr hereingegangen,
und hatte den Schuss zwar gehoert, aber ihm doch nicht zu Hilfe kommen
duerfen. Die Furcht hielt an der Tuere Schildwache und versperrte ihm den
Eingang. Furchtsam ist Cosme fuer viere;[4] und das sind die spanischen
Narren gemeiniglich alle. Essex bekennt, dass er sich unfehlbar in die
schoene Unbekannte verliebt haben wuerde, wenn Blanca nicht schon so voellig
Besitz von seinem Herzen genommen haette, dass sie durchaus keiner andern
Leidenschaft darin Raum lasse. "Aber", sagt er, "wer mag sie wohl gewesen
sein? Was duenkt dich, Cosme?"--"Wer wird's gewesen sein", antwortet
Cosme, "als des Gaertners Frau, die sich die Beine gewaschen?"[5] Aus
diesem Zuge kann man leicht auf das uebrige schliessen. Sie gehen endlich
beide wieder fort; es ist zu spaet geworden; das Haus koennte ueber den
Schuss in Bewegung geraten sein; Essex getraut sich daher nicht, unbemerkt
zur Blanca zu kommen, und verschiebt seinen Besuch auf ein andermal.

Nun tritt der Herzog von Alanzon auf, mit Flora, der Blanca Kammermaedchen.
(Die Szene ist noch auf dem Landgute, in einem Zimmer der Blanca; die
vorigen Auftritte waren in dem Garten. Es ist des folgenden Tages.) Der
Koenig von Frankreich hatte der Elisabeth eine Verbindung mit seinem
juengsten Bruder vorgeschlagen. Dieses ist der Herzog von Alanzon. Er ist,
unter dem Vorwande einer Gesandtschaft, nach England gekommen, um diese
Verbindung zustande zu bringen. Es laesst sich alles, sowohl von seiten des
Parlaments als der Koenigin, sehr wohl dazu an: aber indes erblickt er die
Blanca und verliebt sich in sie. Itzt koemmt er und bittet Floren, ihm in
seiner Liebe behilflich zu sein. Flora verbirgt ihm nicht, wie wenig er
zu erwarten habe; doch ohne ihm das geringste von der Vertraulichkeit,
in welcher der Graf mit ihr stehet, zu entdecken. Sie sagt bloss, Blanca
suche sich zu verheiraten, und da sie hierauf sich mit einem Manne,
dessen Stand so weit ueber den ihrigen erhaben sei, doch keine Rechnung
machen koenne, so duerfte sie schwerlich seiner Liebe Gehoer geben.--(Man
erwartet, dass der Herzog auf diesen Einwurf die Lauterkeit seiner
Absichten beteuern werde: aber davon kein Wort! Die Spanier sind in
diesem Punkte lange so strenge und delikat nicht, als die Franzosen.) Er
hat einen Brief an die Blanca geschrieben, den Flora uebergeben soll. Er
wuenscht, es selbst mit anzusehen, was dieser Brief fuer Eindruck auf sie
machen werde. Er schenkt Floren eine gueldne Kette, und Flora versteckt
ihn in eine anstossende Galerie, indem Blanca mit Cosme hereintritt,
welcher ihr die Ankunft seines Herrn meldet.

Essex koemmt. Nach den zaertlichsten Bewillkommungen der Blanca, nach den
teuersten Versicherungen des Grafen, wie sehr er ihrer Liebe sich wuerdig
zu zeigen wuensche, muessen sich Flora und Cosme entfernen, und Blanca
bleibt mit dem Grafen allein. Sie erinnert ihn, mit welchem Eifer und mit
welcher Standhaftigkeit er sich um ihre Liebe beworben habe. Nachdem sie
ihm drei Jahre widerstanden, habe sie endlich sich ihm ergeben und ihn,
unter Versicherung sie zu heiraten, zum Eigentuemer ihrer Ehre gemacht.
(Te hice dueno de mi honor: der Ausdruck sagt im Spanischen ein wenig
viel.) Nur die Feindschaft, welche unter ihren beiderseitigen Familien
obgewaltet, habe nicht erlaubt, ihre Verbindung zu vollziehen. Essex ist
nichts in Abrede und fuegt hinzu, dass, nach dem Tode ihres Vaters und
Bruders, nur die ihm aufgetragene Expedition wider die Spanier dazwischen
gekommen sei. Nun aber habe er diese gluecklich vollendet; nun wolle er
unverzueglich die Koenigin um Erlaubnis zu ihrer Vermaehlung antreten.--"Und
so kann ich dir denn", sagt Blanca, "als meinem Geliebten, als meinem
Braeutigam, als meinem Freunde, alle meine Geheimnisse sicher
anvertrauen."[6]--


----Fussnote

[1] "Dar la vida por su Dama o el Conde de Sex"; de un Ingenio de esta
Corte.

[2]
Las dos columnas bellas
Metio dentro del rio, y como al verlas
Vi un cristal en el rio desatado,
Y vi cristal en ellas condensado,
No supe si las aguas que se vian
Eran sus pies, que liquidos corrian,
O si sus dos columnas se formaban
De las aguas, que alli se conjelaban.

Diese Aehnlichkeit treibt der Dichter noch weiter, wenn er beschreiben
will, wie die Dame, das Wasser zu kosten, es mit ihrer hohlen Hand
geschoepft und nach dem Munde gefuehrt habe. Diese Hand, sagt er, war dem
klaren Wasser so aehnlich, dass der Fluss selbst fuer Schrecken zusammenfuhr,
weil er befuerchtete, sie moechte einen Teil ihrer eignen Hand mittrinken.

Quiso probar a caso
El agua, y fueron cristalino vaso
Sus manos, acercolas a los labios,
Y entonces el arroyo lloro agravios,
Y como tanto, en fin, se parecia
A sus manos aquello que bebia,
Temi con sobresalto (y no fue en vano)
Que se bebiera parte de la mano.

[3]
Yo, que al principio vi, ciego, y turbado,
A una parte nevado
Y en otra negro el rostro,
Juzgue, mirando tan divino monstruo,
Que la naturaleza cuidadosa
Desigualdad uniendo tau hermosa,
Quiso hacer por asombro, o por ultraje,
De azabache y marfil un maridaie.

[4]
Ruido de armas en la Quinta,
Y dentro el Conde? Que aguardo,
Que no voy a socorrerle?
Que aguardo? Lindo recado:
Aguardo a que quiera el miedo
Dejarme entrar:--
------
Cosme, que ha temido un miedo
Que puede valer por cuatro.

[5]
La mujer del hortelano,
Que se lavaba las piernas.

[6]
Bien podre seguramente
Revelarte intentos mios,
Como a galan, como a dueno,
Como a esposo, y como a amigo.

----Fussnote




Einundsechzigstes Stueck
Den 1. Dezember 1767

Hierauf beginnt sie eine lange Erzaehlung von dem Schicksale der Maria von
Schottland. Wir erfahren (denn Essex selbst muss alles das, ohne Zweifel,
laengst wissen), dass ihr Vater und Bruder dieser ungluecklichen Koenigin
sehr zugetan gewesen; dass sie sich geweigert, an der Unterdrueckung der
Unschuld teilzunehmen; dass Elisabeth sie daher gefangensetzen und in dem
Gefaengnisse heimlich hinrichten lassen. Kein Wunder, dass Blanca die
Elisabeth hasst; dass sie fest entschlossen ist, sich an ihr zu raechen.
Zwar hat Elisabeth nachher sie unter ihre Hofdamen aufgenommen und sie
ihres ganzen Vertrauens gewuerdiget. Aber Blanca ist unversoehnlich.
Umsonst waehlte die Koenigin, nur kuerzlich, vor allen andern das Landgut
der Blanca, um die Jahreszeit einige Tage daselbst ruhig zu geniessen.
--Diesen Vorzug selbst wollte Blanca ihr zum Verderben gereichen
lassen. Sie hatte an ihren Oheim geschrieben, welcher, aus Furcht, es
moechte ihm wie seinem Bruder, ihrem Vater, ergehen, nach Schottland
geflohen war, wo er sich im Verborgnen aufhielt. Der Oheim war gekommen;
und kurz, dieser Oheim war es gewesen, welcher die Koenigin in dem Garten
ermorden wollen. Nun weiss Essex, und wir mit ihm, wer die Person ist, der
er das Leben gerettet hat. Aber Blanca weiss nicht, dass es Essex ist,
welcher ihren Anschlag vereiteln muessen. Sie rechnet vielmehr auf die
unbegrenzte Liebe, deren sie Essex versichert, und wagt es, ihn nicht
bloss zum Mitschuldigen machen zu wollen, sondern ihm voellig die
gluecklichere Vollziehung ihrer Rache zu uebertragen. Er soll sogleich an
ihren Oheim, der wieder nach Schottland geflohen ist, schreiben und
gemeinschaftliche Sache mit ihm machen. Die Tyrannin muesse sterben; ihr
Name sei allgemein verhasst; ihr Tod sei eine Wohltat fuer das Vaterland,
und niemand verdiene es mehr als Essex, dem Vaterlande diese Wohltat zu
verschaffen.

Essex ist ueber diesen Antrag aeusserst betroffen. Blanca, seine teure
Blanca, kann ihm eine solche Verraeterei zumuten? Wie sehr schaemt er sich
in diesem Augenblicke seiner Liebe! Aber was soll er tun? Soll er ihr,
wie es billig waere, seinen Unwillen zu erkennen geben? Wird sie darum
weniger bei ihren schaendlichen Gesinnungen bleiben? Soll er der Koenigin
die Sache hinterbringen? Das ist unmoeglich: Blanca, seine ihm noch immer
teure Blanca, laeuft Gefahr. Soll er sie, durch Bitten und Vorstellungen,
von ihrem Entschlusse abzubringen suchen? Er muesste nicht wissen, was fuer
ein rachsuechtiges Geschoepf eine beleidigte Frau ist; wie wenig es sich
durch Flehen erweichen und durch Gefahr abschrecken laesst. Wie leicht
koennte sie seine Abratung, sein Zorn zur Verzweiflung bringen, dass sie
sich einem andern entdeckte, der so gewissenhaft nicht waere und ihr
zuliebe alles unternaehme?[1]--Dieses in der Geschwindigkeit ueberlegt,
fasst er den Vorsatz, sich zu verstellen, um den Roberto, so heisst der
Oheim der Blanca, mit allen seinen Anhaengern in die Falle zu locken.

Blanca wird ungeduldig, dass ihr Essex nicht sogleich antwortet. "Graf",
sagt sie, "wenn du erst lange mit dir zu Rate gehst, so liebst du mich
nicht. Auch nur zweifeln ist Verbrechen. Undankbarer!"[2]--"Sei ruhig,
Blanca!" erwidert Essex: "ich bin entschlossen."--"Und wozu?"--"Gleich
will ich dir es schriftlich geben."

Essex setzt sich nieder, an ihren Oheim zu schreiben, und indem tritt der
Herzog aus der Galerie naeher. Er ist neugierig, zu sehen, wer sich mit
der Blanca so lange unterhaelt; und erstaunt, den Grafen von Essex zu
erblicken. Aber noch mehr erstaunt er ueber das, was er gleich darauf zu
hoeren bekoemmt. Essex hat an den Roberto geschrieben und sagt der Blanca
den Inhalt seines Schreibens, das er sofort durch den Cosme abschicken
will. Roberto soll mit allen seinen Freunden einzeln nach London kommen;
Essex will ihn mit seinen Leuten unterstuetzen; Essex hat die Gunst des
Volks; nichts wird leichter sein, als sich der Koenigin zu bemaechtigen;
sie ist schon so gut als tot.--"Erst muesst' ich sterben!" ruft auf einmal
der Herzog und koemmt auf sie los. Blanca und der Graf erstaunen ueber
diese ploetzliche Erscheinung; und das Erstaunen des letztern ist nicht
ohne Eifersucht. Er glaubt, dass Blanca den Herzog bei sich verborgen
gehalten. Der Herzog rechtfertiget die Blanca und versichert, dass sie von
seiner Anwesenheit nichts gewusst; er habe die Galerie offen gefunden und
sei von selbst hereingegangen, die Gemaelde darin zu betrachten.[3]

"Der Herzog. Bei dem Leben meines Bruders, bei dem mir noch kostbarern
Leben der Koenigin, bei--Aber genug, dass ich es sage: Blanca ist
unschuldig. Und nur ihr, Mylord, haben Sie diese Erklaerung zu danken.
Auf Sie ist im geringsten nicht dabei gesehen. Denn mit Leuten, wie
Sie, machen Leute, wie ich--

Der Graf. Prinz, Sie kennen mich ohne Zweifel nicht recht?--

Der Herzog. Freilich habe ich Sie nicht recht gekannt. Aber ich
kenne Sie nun. Ich hielt Sie fuer einen ganz andern Mann: und ich
finde, Sie sind ein Verraeter.

Der Graf. Wer darf das sagen?

Der Herzog. Ich!--Nicht ein Wort mehr! Ich will kein Wort mehr hoeren,
Graf!

Der Graf. Meine Absicht mag auch gewesen sein--

Der Herzog. Denn kurz: ich bin ueberzeugt, dass ein Verraeter kein Herz
hat. Ich treffe Sie als einen Verraeter: ich muss Sie fuer einen Mann
ohne Herz halten. Aber um so weniger darf ich mich dieses Vorteils
ueber Sie bedienen. Meine Ehre verzeiht Ihnen, weil Sie der Ihrigen
verlustig sind. Waeren Sie so unbescholten, als ich Sie sonst geglaubt,
so wuerde ich Sie zu zuechtigen wissen.

Der Graf. Ich bin der Graf von Essex. So hat mir noch niemand
begegnen duerfen, als der Bruder des Koenigs von Frankreich.

Der Herzog. Wenn ich auch der nicht waere, der ich bin; wenn nur Sie
der waeren, der Sie nicht sind, ein Mann von Ehre: so sollten Sie wohl
empfinden, mit wem Sie zu tun haetten.--Sie, der Graf von Essex? Wenn
Sie dieser berufene Krieger sind: wie koennen Sie so viele grosse Taten
durch eine so unwuerdige Tat vernichten wollen?--"


----Fussnote

[1]
Ay tal traicion! vive el Cielo,
Que de amarla estoy corrido.
Blanca, que es mi dulce dueno,
Blanca, a quien quiero, y estimo,
Me propone tal traicion!
Que hare, porque si ofendido,
Respondiendo, como es justo,
Contra su traicion me irrito,
No por eso ha de evitar
So resuelto desatino.
Pues darle cuenta a la Reina
Es imposible, pues quiso
Mi suerte, que tenga parte
Blanca en aqueste delito.
Pues si procuro con ruegos
Disuadirla, es desvario,
Que es una mujer resuelta
Animal tan vengativo,
Que no se dobla a los riesgos:
Antes con afecto impio,
En el mismo rendimiento
Suelen aguzar los filos;
Y quiza desesperada
De mi enojo, o mi desvio,
Se declarara con otro
Menos leal, menos fino,
Que quiza por ella intente
Lo que yo hacer no he querido.

[2]
Si estas consultando, Conde,
Alla dentro de ti mismo
Lo que has de hacer, no me quieres,
Ya el dudarlo fue delito.
Vive Dios, que eres ingrato!

[3]
Por vida del Rey mi hermano,
Y por la que mas estimo,
De la Reina mi senora,
Y por--pero yo lo digo,
Que en mi es el mayor empeno
De la verdad del decirlo,
Que no tiene Blanca parte
De estar yo aqui--
------
Y estad muy agradecido
A Blanca, de que yo os de,
No satisfaccion, aviso
De esta verdad, porque a vos,
Hombres como yo--Cond. Imagino
Que no me conoceis bien.
Duq. No os habia conocido
Hasta aqui; mas ya os conozco,
Pues ya tan otro os he visto
Que os reconozco traidor.
Cond. Quien dijere--Duq. Yo lo digo
No pronuncieis algo, Conde,
Que ya no puedo sufriros.
Cond. Cualquier cosa que yo intente--
Duq. Mirad que estoy persuadido
Que hace la traicion cobardes;
Y asi cuando os he cogido
En un lance que me da
De que sois cobarde indicios,
No he de aprovecharme de esto,
Y asi os perdona mi brio
Ese rato que teneis
El valor desminuido;
Que a estar todo vos entero,
Supiera daros castigo.
Cond. Yo soy el Conde de Sex
Y nadie se me ha atrevido
Sino el hermano del Rey
De Francia. Duq. Yo tengo brio
Para que sin ser quien soy,
Pueda mi valor invicto
Castigar, no digo yo
Solo a vos, mas a vos mismo,
Siendo leal, que es lo mas
Con que queda encarecido.
Y pues sois tan gran Soldado,
No echeis a perder, os pido
Tantas heroicas hazanas
Con un hecho tan indigno--

----Fussnote




Zweiundsechzigstes Stueck
Den 4. Dezember 1767

Der Herzog faehrt hierauf fort, ihm sein Unrecht in einem etwas gelindern
Tone vorzuhalten. Er ermahnt ihn, sich eines Bessern zu besinnen; er will
es vergessen, was er gehoert habe; er ist versichert, dass Blanca mit dem
Grafen nicht einstimmen und dass sie selbst ihm eben das wuerde gesagt
haben, wenn er, der Herzog, ihr nicht zuvorgekommen waere. Er schliesst
endlich: "Noch einmal, Graf; gehen Sie in sich! Stehen Sie von einem so
schaendlichen Vorhaben ab! Werden Sie wieder Sie selbst! Wollen Sie aber
meinem Rate nicht folgen: so erinnern Sie sich, dass Sie einen Kopf haben,
und London einen Henker!"[1]--Hiermit entfernt sich der Herzog. Essex ist
in der aeussersten Verwirrung; es schmerzt ihn, sich fuer einen Verraeter
gehalten zu wissen; gleichwohl darf er es itzt nicht wagen, sich gegen
den Herzog zu rechtfertigen; er muss sich gedulden, bis es der Ausgang
lehre, dass er da seiner Koenigin am getreuesten gewesen sei, als er es am
wenigsten zu sein geschienen.[2] So spricht er mit sich selbst: zur
Blanca aber sagt er, dass er den Brief sogleich an ihren Oheim senden
wolle, und geht ab. Blanca desgleichen; nachdem sie ihren Unstern
verwuenscht, sich aber noch damit getroestet, dass es kein Schlimmerer als
der Herzog sei, welcher von dem Anschlage des Grafen wisse.


Pages:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39