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Hamburgische Dramaturgie - Gotthold Ephraim Lessing

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Die Koenigin macht ihr Mut und lockt ihr nach und nach mehr ab, als
Blanca zu sagen brauchte; weit mehr, als sie selbst zu hoeren wuenscht.
Sie hoeret, wo und wie der Graf gluecklich gewesen;[1] und als sie
endlich auch hoeret, dass er ihr die Ehe versprochen, und dass Blanca auf
die Erfuellung dieses Versprechens dringe: so bricht der so lange
zurueckgehaltene Sturm auf einmal aus. Sie verhoehnet das leichtglaeubige
Maedchen auf das empfindlichste und verbietet ihr schlechterdings, an
den Grafen weiter zu denken. Blanca erraet ohne Muehe, dass dieser Eifer
der Koenigin Eifersucht sein muesse: und gibt es ihr zu verstehen.

"Die Koenigin. Eifersucht?--Nein; bloss deine Auffuehrung entruestet mich.
--Und gesetzt,--ja gesetzt, ich liebte den Grafen. Wenn ich,--ich ihn
liebte, und eine andere waere so vermessen, so toericht, ihn neben mir
zu lieben,--was sage ich, zu lieben?--ihn nur anzusehen,--was sage
ich, anzusehen?--sich nur eine Gedanke von ihm in den Sinn kommen zu
lassen: das sollte dieser andern nicht das Leben kosten?--Du siehest,
wie sehr mich eine bloss vorausgesetzte, erdichtete Eifersucht
aufbringt: urteile daraus, was ich bei einer wahren tun wuerde. Itzt
stelle ich mich nur eifersuechtig. Huete dich, mich es wirklich zu
machen!"[2]

Mit dieser Drohung geht die Koenigin ab und laesst die Blanca in der
aeussersten Verzweiflung. Dieses fehlte noch zu den Beleidigungen, ueber
die sich Blanca bereits zu beklagen hatte. Die Koenigin hat ihr Vater
und Bruder und Vermoegen genommen: und nun will sie ihr auch den Grafen
nehmen. Die Rache war schon beschlossen: aber warum soll Blanca noch
erst warten, bis sie ein anderer fuer sie vollzieht? Sie will sie selbst
bewerkstelligen, und noch diesen Abend. Als Kammerfrau der Koenigin muss
sie sie auskleiden helfen; da ist sie mit ihr allein; und es kann ihr
an Gelegenheit nicht fehlen.--Sie sieht die Koenigin mit dem Kanzler
wiederkommen und geht, sich zu ihrem Vorhaben gefasst zu machen.

Der Kanzler haelt verschiedne Briefschaften, die ihm die Koenigin nur auf
einen Tisch zu legen befiehlt; sie will sie vor Schlafengehen noch
durchsehen. Der Kanzler erhebt die ausserordentliche Wachsamkeit, mit der
sie ihren Reichsgeschaeften obliege; die Koenigin erkennt es fuer ihre
Pflicht und beurlaubet den Kanzler. Nun ist sie allein und setzt sich zu
den Papieren. Sie will sich ihres verliebten Kummers entschlagen und
anstaendigern Sorgen ueberlassen. Aber das erste Papier, was sie in die
Haende nimmt, ist die Bittschrift eines Grafen Felix. Eines Grafen! "Muss
es denn eben", sagt sie, "von einem Grafen sein, was mir zuerst vorkoemmt!"
Dieser Zug ist vortrefflich. Auf einmal ist sie wieder mit ihrer ganzen
Seele bei demjenigen Grafen, an den sie itzt nicht denken wollte. Seine
Liebe zu Blanca ist ein Stachel in ihrem Herzen, der ihr das Leben zur
Last macht. Bis sie der Tod von dieser Marter befreie, will sie bei dem
Bruder des Todes Linderung suchen: und so faellt sie in Schlaf.

Indem tritt Blanca herein und hat eine von den Pistolen des Grafen, die
sie in ihrem Zimmer gefunden. (Der Dichter hatte sie, zu Anfange dieses
Akts, nicht vergebens dahin tragen lassen.) Sie findet die Koenigin allein
und entschlafen: was fuer einen bequemem Augenblick koennte sie sich
wuenschen? Aber eben hat der Graf die Blanca gesucht und sie in ihrem
Zimmer nicht getroffen. Ohne Zweifel erraet man, was nun geschieht. Er
koemmt also, sie hier zu suchen; und koemmt eben noch zurecht, der Blanca
in den moerderischen Arm zu fallen und ihr die Pistole, die sie auf die
Koenigin schon gespannt hat, zu entreissen. Indem er aber mit ihr ringt,
geht der Schuss los: die Koenigin erwacht, und alles koemmt aus dem Schlosse
herzugelaufen.

"Die Koenigin (im Erwachen). Ha! Was ist das?

Der Kanzler. Herbei, herbei! Was war das fuer ein Knall in dem Zimmer
der Koenigin? Was geschieht hier?

Essex (mit der Pistole in der Hand). Grausamer Zufall!

Die Koenigin. Was ist das, Graf?

Essex. Was soll ich tun?

Die Koenigin. Blanca, was ist das?

Blanca. Mein Tod ist gewiss!

Essex. In welcher Verwirrung befinde ich mich!

Der Kanzler. Wie? der Graf ein Verraeter?

Essex (beiseite). Wozu soll ich mich entschliessen? Schweige ich: so
faellt das Verbrechen auf mich. Sage ich die Wahrheit: so werde ich
der nichtswuerdige Verklaeger meiner Geliebten, meiner Blanca, meiner
teuersten Blanca.

Die Koenigin. Sind Sie der Verraeter, Graf? Bist du es, Blanca? Wer
von euch war mein Retter? wer mein Moerder? Mich duenkt, ich hoerte im
Schlafe euch beide rufen: Verraeterin! Verraeter! Und doch kann nur
eines von euch diesen Namen verdienen. Wenn eines von euch mein Leben
suchte, so bin ich es dem andern schuldig. Wem bin ich es schuldig,
Graf? Wer suchte es, Blanca? Ihr schweigt?--Wohl, schweigt nur! Ich
will in dieser Ungewissheit bleiben; ich will den Unschuldigen nicht
wissen, um den Schuldigen nicht zu kennen. Vielleicht duerfte es mich
ebensosehr schmerzen, meinen Beschuetzer zu erfahren, als meinen Feind.
Ich will der Blanca gern ihre Verraeterei vergeben, ich will sie ihr
verdanken: wenn dafuer der Graf nur unschuldig war."[3]

Aber der Kanzler sagt: wenn es die Koenigin schon hierbei wolle bewenden
lassen, so duerfe er es doch nicht; das Verbrechen sei zu gross; sein Amt
erfodere, es zu ergruenden; besonders da aller Anschein sich wider den
Grafen erklaere.

"Die Koenigin. Der Kanzler hat recht; man muss es untersuchen.--Graf,--

Essex. Koenigin!--

Die Koenigin. Bekennen Sie die Wahrheit.--(Beiseite.) Aber wie sehr
fuerchtet meine Liebe, sie zu hoeren! War es Blanca?

Essex. Ich Ungluecklicher!

Die Koenigin. War es Blanca, die meinen Tod wollte?

Essex. Nein, Koenigin; Blanca war es nicht.

Die Koenigin. Sie waren es also?

Essex. Schreckliches Schicksal!--Ich weiss nicht.

Die Koenigin. Sie wissen es nicht?--Und wie koemmt dieses moerderische
Werkzeug in Ihre Hand?--"

Der Graf schweigt, und die Koenigin befiehlt, ihn nach dem Tower zu
bringen. Blanca, bis sich die Sache mehr aufhellet, soll in ihrem Zimmer
bewacht werden. Sie werden abgefuehrt, und der zweite Aufzug schliesst.


----Fussnote

[1]
bl. le llame una noche obscura--
rein. y vino a verte? bl. pluguiera
a dios, que no fuera tanta
mi desdicha, y su fineza.
vino mas galan que nunca,
y yo que dos veces ciega,
por mi mal, estaba entonces
del amor, y las tinieblas--

[2]
rein. este es celo, blanca. bl. celos,
anadiendole una letra.
rein. que decis? bl. senora, que
si acaso posible fuera,
a no ser vos la que dice
esas palabras, dijera,
que eran celos. rein. que son celos?
no son celos, es ofensa
que me estais haciendo vos.
supongamos, que quisiera
al conde en esta ocasion;
pues si yo al conde quisiera
y alguna atrevida, loca
presumida, descompuesta
le quisiera, que es querer?
que le mirara, o le viera;
que es verle? no se que diga.
no hay cosa que menos sea--
no la quitara la vida?
la sangre no le bebiera?--
los celos, aunque fingidos,
me arrebataron la lengua,
y dispararon mi enojo--
mirad que no me deis celos,
que si fingidos se altera
tanto mi enojo, ved vos,
si fuera verdad, que hiciera--
escarmentad en las burlas,
no me deis celos de veras.

conde, vos traidor? vos, blanca?
el juicio esta indiferente,
cual me libra, cual me mata.
conde, bianca, respondedme!
tu a la reina? tu a la reina?
oid, aunque confusamente:
ha, traidora, dijo el conde.
blanca, dijo: traidor eres.
estas razones de entrambos
a entrambas cosas convienen:
uno de los dos me libra,
otro de los me ofende.
conde, cual me daba vida?
blanca, cual me daba muerte?
decidme!--no lo digais,
que neutral mi valor quiere,
per no saber el traidor,
no saber el inocente.
mejor es quedar confusa,
en duda mi juicio quede,
porque cuando mire a alguno,
y de la traicion me acuerde,
a pensar, que es el traidor,
que es el leal tambien piense.
yo le agradeciera a blanca,
que ella la traidora fuese,
solo a trueque de que el conde
fuera el, que estaba inocente.--

----Fussnote




Sechsundsechzigstes Stueck
Den 18. Dezember 1767

Der dritte Aufzug faengt sich mit einer langen Monologe der Koenigin an,
die allen Scharfsinn der Liebe aufbietet, den Grafen unschuldig zu
finden. Die Vielleicht werden nicht gesparet, um ihn weder als ihren
Moerder, noch als den Liebhaber der Blanca denken zu duerfen. Besonders
geht sie mit den Voraussetzungen wider die Blanca ein wenig sehr weit;
sie denkt ueber diesen Punkt ueberhaupt lange so zaertlich und sittsam
nicht, als wir es wohl wuenschen moechten, und als sie auf unsern Theatern
denken muesste.[1]

Es kommen der Herzog und der Kanzler: jener, ihr seine Freude ueber die
glueckliche Erhaltung ihres Lebens zu bezeigen; dieser, ihr einen neuen
Beweis, der sich wider den Essex aeussert, vorzulegen. Auf der Pistole, die
man ihm aus der Hand genommen, steht sein Name; sie gehoert ihm; und wem
sie gehoert, der hat sie unstreitig auch brauchen wollen.

Doch nichts scheinet den Essex unwidersprechlicher zu verdammen, als was
nun erfolgt. Cosme hat, bei anbrechendem Tage, mit dem bewussten Briefe
nach Schottland abgehen wollen und ist angehalten worden. Seine Reise
sieht einer Flucht sehr aehnlich, und solche Flucht laesst vermuten, dass er
an dem Verbrechen seines Herrn Anteil koenne gehabt haben. Er wird also
vor den Kanzler gebracht, und die Koenigin befiehlt, ihn in ihrer
Gegenwart zu verhoeren. Den Ton, in welchem sich Cosme rechtfertiget, kann
man leicht erraten. Er weiss von nichts; und als er sagen soll, wo er
hingewollt, laesst er sich um die Wahrheit nicht lange noetigen. Er zeigt
den Brief, den ihm sein Graf an einen andern Grafen nach Schottland zu
ueberbringen befohlen: und man weiss, was dieser Brief enthaelt. Er wird
gelesen, und Cosme erstaunt nicht wenig, als er hoert, wohin es damit
abgesehen gewesen. Aber noch mehr erstaunt er ueber den Schluss desselben,
worin der Ueberbringer ein Vertrauter heisst, durch den Roberto seine
Antwort sicher bestellen koenne. "Was hoere ich?" ruft Cosme. "Ich ein
Vertrauter? Bei diesem und jenem! ich bin kein Vertrauter; ich bin
niemals einer gewesen, und will auch in meinem Leben keiner sein.--Habe
ich wohl das Ansehen zu einem Vertrauten? Ich moechte doch wissen, was
mein Herr an mir gefunden haette, um mich dafuer zu nehmen. Ich, ein
Vertrauter, ich, dem das geringste Geheimnis zur Last wird? Ich weiss zum
Exempel, dass Blanca und mein Herr einander lieben, und dass sie heimlich
miteinander verheiratet sind: es hat mir schon lange das Herz abdruecken
wollen; und nun will ich es nur sagen, damit Sie huebsch sehen, meine
Herren, was fuer ein Vertrauter ich bin. Schade, dass es nicht etwas viel
Wichtigeres ist: ich wuerde es ebensowohl sagen."[2] Diese Nachricht
schmerzt die Koenigin nicht weniger, als die Ueberzeugung, zu der sie durch
den ungluecklichen Brief von der Verraeterei des Grafen gelangt. Der Herzog
glaubt, nun auch sein Stillschweigen brechen zu muessen und der Koenigin
nicht laenger zu verbergen, was er in dem Zimmer der Blanca zufaelligerweise
angehoert habe. Der Kanzler dringt auf die Bestrafung des Verraeters, und
sobald die Koenigin wieder allein ist, reizen sie sowohl beleidigte Majestaet,
als gekraenkte Liebe, des Grafen Tod zu beschliessen.

Nunmehr bringt uns der Dichter zu ihm in das Gefaengnis. Der Kanzler koemmt
und eroeffnet dem Grafen, dass ihn das Parlament fuer schuldig erkannt und
zum Tode verurteilet habe, welches Urteil morgen des Tages vollzogen
werden solle. Der Graf beteuert seine Unschuld.

"Der Kanzler. Ihre Unschuld, Mylord, wollte ich gern glauben: aber so
viele Beweise wider Sie!--Haben Sie den Brief an den Roberto nicht
geschrieben? Ist es nicht Ihr eigenhaendiger Name?

Essex. Allerdings ist er es.

Der Kanzler. Hat der Herzog von Alanzon Sie, in dem Zimmer der Blanca,
nicht ausdruecklich den Tod der Koenigin beschliessen hoeren?

Essex. Was er gehoert hat, hat er freilich gehoert.

Der Kanzler. Sahe die Koenigin, als sie erwachte, nicht die Pistole in
Ihrer Hand? Gehoert die Pistole, auf der Ihr Name gestochen, nicht
Ihnen?

Essex. Ich kann es nicht leugnen.

Der Kanzler. So sind Sie ja schuldig.

Essex. Das leugne ich.

Der Kanzler. Nun, wie kamen Sie denn dazu, dass Sie den Brief an den
Roberto schrieben?

Essex. Ich weiss nicht.

Der Kanzler. Wie kam es denn, dass der Herzog den verraeterischen
Vorsatz aus Ihrem eignen Munde vernehmen musste?

Essex. Weil es der Himmel so wollte.

Der Kanzler. Wie kam es denn, dass sich das moerderische Werkzeug in
Ihren Haenden fand?

Essex. Weil ich viel Unglueck habe.

Der Kanzler. Wenn alles das Unglueck, und nicht Schuld ist: wahrlich,
Freund, so spielst Ihnen Ihr Schicksal einen harten Streich. Sie
werden ihn mit Ihrem Kopfe bezahlen muessen.

Essex. Schlimm genug."[3]

"Wissen Ihre Gnaden nicht", fragt Cosme, der dabei ist, "ob sie mich etwa
mit haengen werden?" Der Kanzler antwortet Nein, weil ihn sein Herr
hinlaenglich gerechtfertiget habe; und der Graf ersucht den Kanzler, zu
verstatten, dass er die Blanca noch vor seinem Tode sprechen duerfe. Der
Kanzler bedauert, dass er, als Richter, ihm diese Bitte versagen muesse;
weil beschlossen worden, seine Hinrichtung so heimlich, als moeglich,
geschehen zu lassen, aus Furcht vor den Mitverschwornen, die er
vielleicht sowohl unter den Grossen, als unter dem Poebel in Menge haben
moechte. Er ermahnt ihn, sich zum Tode zu bereiten, und geht ab. Der Graf
wuenschte bloss deswegen die Blanca noch einmal zu sprechen, um sie zu
ermahnen, von ihrem Vorhaben abzustehen. Da er es nicht muendlich tun
duerfen, so will er es schriftlich tun. Ehre und Liebe verbinden ihn, sein
Leben fuer sie hinzugeben; bei diesem Opfer, das die Verliebten alle auf
der Zunge fuehren, das aber nur bei ihm zur Wirklichkeit gelangt, will er
sie beschwoeren, es nicht fruchtlos bleiben zu lassen. Es ist Nacht; er
setzt sich nieder zu schreiben, und befiehlt Cosmen, den Brief, den er
ihm hernach geben werde, sogleich nach seinem Tode der Blanca
einzuhaendigen. Cosme geht ab, um indes erst auszuschlafen.


----Fussnote

[1]
No pudo ser que mintiera
Blanca en lo que me conto
De gozarla el Conde? No,
Que Blanca no lo fingiera:
No pudo haberla gozado,
Sin estar enamorado,
Y cuando tierno y rendido,
Entonces la haya querido,
No puede haberla olvidado?
No le vieron mis antoios
Entre acogimientos sabios,
Muy callando con los labios,
Muy bachiller con los ojos,
Cuando al decir sus enojos
Yo su despecho reni?

[2]
Que escucho? Senores mios,
Dos mil demonios me lleven,
Si yo confidente soy,
Si lo he sido, o si lo fuere,
Ni tengo intencion de serlo.
--Tengo yo
Cara de ser confidente?
Yo no se que ha visto en mi
Mi amo para tenerme
En esta opinion; y a fe,
Que me holgara de que fuese
Cosa de mas importancia
Un secretillo muy leve,
Que rabio ya per decirlo,
Que es que el Conde a Blanca quiere,
Que estan casados los dos
En secreto--

[3]
Con. Solo el descargo que tengo
Es el estar inocente.
Senescal. Aunque yo quiera creerlo
No me dejan los indicios,
Y advertid, que ya no es tiempo
De dilacion, que manana
Habeis de morir. Con. Yo muero
Inocente. Sen. Pues decid:
No escribisteis a Roberto
Esta carta? Aquesta firma
No es la vuestra? Con. No lo niego.
Sen. El gran duque de Alanzon
No os oyo en el aposento
De Blanca trazar la muerte
De la Reina? Con. Aqueso es cierto.
Sen. Cuando desperto la Reina
No os hallo, Conde, a vos mesmo
Con la pistola en la mano?
Y la pistola que vemos
Vuestro nombre alli gravado
No es vuestro? Con. Os lo concedo.
Sen. Luego vos estais culpado.
Con. Eso solamente niego.
Sen. Pues como escribisteis, Conde,
La carta al traidor Roberto?
Con. No lo se. Sen. Pues como el Duque,
Que escucho vuestros intentos,
Os convence en la traicion?
Con. Porque asi lo quiso el cielo.
Sen. Como hallado en vuestra mano
Os culpa el vil instrumento?
Con. Porque tengo poca dicha.--
Sen. Pues sabed, que si es desdicha
Y no culpa, en tanto aprieto
Os pone vuestra fortuna,
Conde amigo, que supuesto
Que no dais otro descargo,
En fe de indicios tan ciertos,
Manana vuestra cabeza
Ha de pagar--

----Fussnote




Siebenundsechzigstes Stueck
Den 22. Dezember 1767

Nun folgt eine Szene, die man wohl schwerlich erwartet haette. Alles ist
ruhig und stille, als auf einmal eben die Dame, welcher Essex in dem
ersten Akte das Leben rettete, in eben dem Anzuge, die halbe Maske auf
dem Gesichte, mit einem Lichte in der Hand, zu dem Grafen in das
Gefaengnis hereintritt. Es ist die Koenigin. "Der Graf", sagt sie vor sich
im Hereintreten, "hat mir das Leben erhalten: ich bin ihm dafuer
verpflichtet. Der Graf hat mir das Leben nehmen wollen: das schreiet um
Rache. Durch seine Verurteilung ist der Gerechtigkeit ein Genuege
geschehen: nun geschehe es auch der Dankbarkeit und Liebe!"[1] Indem sie
naeher kommt, wird sie gewahr, dass der Graf schreibt. "Ohne Zweifel", sagt
sie, "an seine Blanca! Was schadet das? Ich komme aus Liebe, aus der
feurigsten, uneigennuetzigsten Liebe: itzt schweige die Eifersucht!--Graf!"
--Der Graf hoert sich rufen, sieht hinter sich und springt voller Erstaunen
auf. "Was seh' ich!"--"Keinen Traum", faehrt die Koenigin fort, "sondern die
Wahrheit. Eilen Sie, sich davon zu ueberzeugen, und lassen Sie uns kostbare
Augenblicke nicht mit Zweifeln verlieren.--Sie erinnern sich doch meiner?
Ich bin die, der Sie das Leben gerettet. Ich hoere, dass Sie morgen sterben
sollen; und ich komme, Ihnen meine Schuld abzutragen, Ihnen Leben fuer Leben
zu geben. Ich habe den Schluessel des Gefaengnisses zu bekommen gewusst.
Fragen Sie mich nicht, wie? Hier ist er; nehmen Sie; er wird Ihnen die
Pforte in den Park oeffnen; fliehen Sie, Graf, und erhalten Sie ein Leben,
das mir so teuer ist."--

"Essex. Teuer? Ihnen, Madame?

Die Koenigin. Wuerde ich sonst soviel gewagt haben, als ich wage?

Essex. Wie sinnreich ist das Schicksal, das mich verfolgt! Es findet
einen Weg, mich durch mein Glueck selbst ungluecklich zu machen. Ich
scheine gluecklich, weil die mich zu befreien koemmt, die meinen Tod
will: aber ich bin um so viel ungluecklicher, weil die meinen Tod will,
die meine Freiheit mir anbietet."[2]--

Die Koenigin verstehet hieraus genugsam, dass sie Essex kennet. Er
verweigert sich der Gnade, die sie ihm angetragen, gaenzlich; aber er
bittet, sie mit einer andern zu vertauschen.

"Die Koenigin. Und mit welcher?

Essex. Mit der, Madame, von der ich weiss, dass sie in Ihrem Vermoegen
steht,--mit der Gnade, mir das Angesicht meiner Koenigin sehen zu
lassen. Es ist die einzige, um die ich es nicht zu klein halte, Sie
an das zu erinnern, was ich fuer Sie getan habe. Bei dem Leben, das
ich Ihnen gerettet, beschwoere ich Sie, Madame, mir diese Gnade zu
erzeigen.

Die Koenigin (vor sich). Was soll ich tun? Vielleicht, wenn er mich
sieht, dass er sich rechtfertiget! Das wuensche ich ja nur.

Essex. Verzoegern Sie mein Glueck nicht, Madame.

Die Koenigin. Wenn Sie es denn durchaus wollen, Graf; wohl: aber
nehmen Sie erst diesen Schluessel; von ihm haengt Ihr Leben ab. Was ich
itzt fuer Sie tun darf, koennte ich hernach vielleicht nicht duerfen.
Nehmen Sie; ich will Sie gesichert wissen.[3]

Essex (indem er den Schluessel nimmt). Ich erkenne diese Vorsicht mit
Dank.--Und nun, Madame,--ich brenne, mein Schicksal auf dem Angesichte
der Koenigin, oder dem Ihrigen zu lesen.

Die Koenigin. Graf, ob beide gleich eines sind, so gehoert doch nur das,
welches Sie noch sehen, mir ganz allein; denn das, welches Sie nun
erblicken, (indem sie die Maske abnimmt) ist der Koenigin. Jenes, mit
welchem ich Sie erst sprach, ist nicht mehr.

Essex. Nun sterbe ich zufrieden! Zwar ist es das Vorrecht des
koeniglichen Antlitzes, dass es jeden Schuldigen begnadigen muss, der
es erblickt; und auch mir muesste diese Wohltat des Gesetzes zustatten
kommen. Doch ich will weniger hierzu, als zu mir selbst, meine Zuflucht
nehmen. Ich will es wagen, meine Koenigin an die Dienste zu erinnern,
die ich ihr und dem Staate geleistet--.[4]

Die Koenigin. An diese habe ich mich schon selbst erinnert. Aber Ihr
Verbrechen, Graf, ist groesser als Ihre Dienste.

Essex. Und ich habe mir nichts von der Huld meiner Koenigin zu
versprechen?

Die Koenigin. Nichts.

Essex. Wenn die Koenigin so streng ist, so rufe ich die Dame an, der
ich das Leben gerettet. Diese wird doch wohl guetiger mit mir
verfahren?

Die Koenigin. Diese hat schon mehr getan, als sie sollte: sie hat
Ihnen den Weg geoeffnet, der Gerechtigkeit zu entfliehen.

Essex. Und mehr habe ich um Sie nicht verdient, um Sie, die mir ihr
Leben schuldig ist?

Die Koenigin. Sie haben schon gehoert, dass ich diese Dame nicht bin.
Aber gesetzt, ich waere es: gebe ich Ihnen nicht ebensoviel wieder, als
ich von Ihnen empfangen habe?

Essex. Wo das? Dadurch doch wohl nicht, dass Sie mir den Schluessel
gegeben?

Die Koenigin. Dadurch allerdings.

Essex. Der Weg, den mir dieser Schluessel eroeffnen kann, ist weniger
der Weg zum Leben, als zur Schande. Was meine Freiheit bewirken soll,
muss nicht meiner Furchtsamkeit zu dienen scheinen. Und doch glaubt
die Koenigin, mich mit diesem Schluessel fuer die Reiche, die ich ihr
erfochten, fuer das Blut, das ich um sie vergossen, fuer das Leben, das
ich ihr erhalten, mich mit diesem elenden Schluessel fuer alles das
abzulohnen?[5] Ich will mein Leben einem anstaendigem Mittel zu danken
haben, oder sterben (indem er nach dem Fenster geht).

Die Koenigin. Wo gehen Sie hin?

Essex. Nichtwuerdiges Werkzeug meines Lebens und meiner Entehrung!
Wenn bei dir alle meine Hoffnung beruhet, so empfange die Flut, in
ihrem tiefsten Abgrunde, alle meine Hoffnung! (Er eroeffnet das
Fenster und wirft den Schluessel durch das Gitter in den Kanal.) Durch
die Flucht waere mein Leben viel zu teuer erkauft.[6]

Die Koenigin. Was haben Sie getan, Graf?--Sie haben sehr uebel getan.

Essex. Wenn ich sterbe: so darf ich wenigstens laut sagen, dass ich
eine undankbare Koenigin hinterlasse.--Will sie aber diesen Vorwurf
nicht: so denke sie auf ein anderes Mittel, mich zu retten. Dieses
unanstaendigere habe ich ihr genommen. Ich berufe mich nochmals auf
meine Dienste: es steht bei ihr, sie zu belohnen oder mit dem Andenken
derselben ihren Undank zu verewigen.

Die Koenigin. Ich muss das letztere Gefahr laufen.--Denn wahrlich, mehr
konnte ich, ohne Nachteil meiner Wuerde, fuer Sie nicht tun.

Essex. So muss ich denn sterben?

Die Koenigin. Ohnfehlbar. Die Frau wollte Sie retten; die Koenigin muss
dem Rechte seinen Lauf lassen. Morgen muessen Sie sterben; und es ist
schon morgen. Sie haben mein ganzes Mitleid; die Wehmut bricht mir
das Herz; aber es ist nun einmal das Schicksal der Koenige, dass sie
viel weniger nach ihren Empfindungen handeln koennen, als andere.
--Graf, ich empfehle Sie der Vorsicht!--"


----Fussnote

[1]
el conde me dio la vida
y asi obligada me veo;
el conde me daba muerte,
y asi ofendida me quejo.
pues ya que con la sentencia
esta parte he satisfecho,
pues compli con la justicia,
con el amor cumplir quiero.--

[2]
ingeniosa mi fortuna
hallo en la dicha mas nuevo
modo de hacerme infeliz,
pues cuando dichoso veo,
que me libra quien me mata,
tambien desdichado advierto,
que me mata quien me libra.

[3]
pues si esto ha de ser, primero
tomad, conde, aquesta llave,
que si ha de ser instrumento
de vuestra vida, quiza
tan otra, quitando el velo,
sere, que no pueda entonces
hacer lo que ahora puedo,
y como a daros la vida
me empene por lo que os debo,
por si no puedo despues,
de esta suerte me prevengo.

[4]
morire yo consolado.
aunque si por privilegio
en viendo la cara al rey
queda perdonado el reo;
yo de este indulto, senora
vida por ley me prometo:
esto es en comun, que es
lo que a todos da el derecho;
pero si en particular
merecer el perdon quiero,
oid, vereis que me ayuda
mayor indulto en mis hechos.
mis hazanas--

[5]
luego esta, que asi camino
abrira a mi vida, abriendo,
tambien lo abrira a mi infamia;
luego esta, que instrumento
de mi libertad, tambien
lo habra de ser de mi miedo.
esta, que solo me sirve
de huir, es el desempeno
de reinos, que os he ganado,
de servicios, que os he hecho.
y en fin, de esa vida, de esa,
que teneis hoy por mi esfuerzo?
en esta se cifra tanto?--

[6]
vil instrumento
de mi vida, y de mi infamia,
por esta reja cayendo
del parque, que bate el rio,
entre sus cristales quiero,
si sois mi esperanza, hundiros;
caed al humido centro,
donde el tamasis sepulte
mi esperanza, y mi remedio.


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