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Publishers Newswire Announced Today its Latest List of Books to Bookmark, for Q4/2008
REDONDO BEACH, Calif. -- Publishers Newswire, an online resource for small publishers, as well as lesser known and first-time book authors, has announced its latest quarterly 'Books to Bookmark' list, for Q4/2008. This list is a round-up of new and interesting books which are often missed due to not originating from big name authors, or major New York book publishing houses.

Book, 'Letters From Heroes', captures triumphs of the men and women who served in World War I and II
GILROY, Calif. -- The hardships, struggles, hopes and triumphs of the men and women who served in World War I and World War II is wonderfully captured in 'Letters From Heroes' (ISBN: 978-1-58909-570-0), by Edward T. Cook, a new book just published by Bookstand Publishing. This poignant collection of real letters from real servicemen allow the reader to see things through the eyes of these soldiers and understand their thoughts about war, training, sickness, the enemy and even their food.

In New Book, Mystery of the 6,000 Year Old Science and Art of Astrology Has Been Solved
SAN FRANCISCO, Calif. -- Author of the new book, ASTROMASKS (ISBN: 978-0-615-23386-4), Vijay Rishii Ph.D., announced today that his book reveals the secret code behind the ancient and controversial science of astrology. The author decodes astrology using a new concept of complementary pairs, and gives new meanings to the zodiac signs and their real connection to humans on earth, which has never been done before in the entire history of astrology.

Reise durch England und Schottland - Johanna Schopenhauer

J >> Johanna Schopenhauer >> Reise durch England und Schottland

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Die Haeuser in den schottischen Hochlanden sind wohl die schlechtesten
menschlichen Wohnungen im kultivierten Europa; so enge, dass man
nicht begreift, wie eine Familie darin Platz findet, aus rohen Steinen,
oft ohne allen Moertel, nur zusammengetragen. Die Fugen sind mit Moos
und Lehmerde verstopft, Tueren aus Brettern schlecht zusammengeschlagen,
ohne Schloss und Riegel (denn wer sollte hier Diebe fuerchten?), Fenster,
so klein, dass man sie kaum bemerkt, oft sogar ohne Glas.
Die niedrigen Daecher von Schilf, Moos, Rasen, bisweilen auch
aus Holz und Schiefer, haben oft statt des Schornsteins nur eine Oeffnung,
durch welche der Rauch abzieht. Das Innere dieser Huetten entspricht
dem Aeusseren. Menschen und Tiere hausen unter dem naemlichen Dache
friedlich beisammen, nur durch einen schlechten bretternen Verschlag
voneinander getrennt. In dem einzigen Zimmer des Hauses sieht man
deutlich, bei dem fast gaenzlichen Mangel allen Hausgeraets, wie wenig
der Mensch zum Leben eigentlich braucht. Der Fussboden besteht aus
festgetretenem Lehm; der grosse Feuerplatz, dicht auf der Erde,
ohne alle Erhoehung dient zugleich zum Feuerherd und Kamin. Ein an
einer Kette haengender Kessel ueber dem Feuer, einige hoelzerne Schemel,
ein gross zusammengezimmerter Tisch und in der Ecke ein Lager von
Moos oder Stroh: das ist alles, was diese von aller Weichlichkeit
entfernten Menschen zu ihrer Bequemlichkeit haben.

Das Ansehen der Maenner ist wild, und ihre fremde Kleidung, die so sehr
von jeder anderen europaeischen abweicht, ist zum Teil schuld daran.
Im Umgange verliert sich der Eindruck gaenzlich, den ihr erster Anblick
erregt. Ihr von Luft und harter Arbeit gebraeuntes Gesicht ist
ausdrucksvoll, seine Zuege sind angenehm und regelmaessig. Stiller,
an Trauer grenzender Ernst scheint der Grundton ihres Wesens;
dennoch koennen sie sehr froehlich sein. Sie sind gebildeter,
als man vermuten moechte. Die Geschichte ihrer Vaeter und ihre
Heldengesaenge sind keinem fremd. Fast in jeder Huette, in welcher
wir einkehrten, sahen wir eine Bibel, ein Gebetbuch, auch wohl
irgend eine alte Chronik, aus welchen der Hausvater sonntags die
Seinen erbaut. Winters moegen die Wege den Besuch der Kirchen sehr
erschweren, doch kann gewiss nur die Unmoeglichkeit den frommen Bergschotten
davon abhalten, obgleich die meisten einen sehr weiten Weg dahin
zu machen haben.

"Wir beten und spinnen!" antwortete mir ein junges, schoenes Maedchen
auf die Frage: "Was tut ihr denn winters, wenn Kaelte und Schnee
euch in euren Huetten gefangen halten?"

In jedem Hause beinah haengt der Stammbaum der Familie, auf welchen
sie oft mit Stolz blickten; gewoehnlich ist ein horizontal liegender
geharnischter Ritter darauf abgebildet, der oft den Namen
irgend eines alten schottischen, der Fabel halb verfallenen Koenigs fuehrt.
Aus seiner Brust spriesst der Baum, der sich in unzaehlige Aeste verbreitet.
Bekanntlich gibt's nur wenige, aber unendlich zahlreiche Familien
in Schottland, deren Glieder alle einen Namen fuehren, sich in allen
drei Koenigreichen, ja sogar in der ganzen Welt ausbreiten, aber
doch durch ein heiliges Band sich vereinigt fuehlen und dies gewissenhaft
anerkennen, wo sie sich treffen, wenn sie sich treffen, wenn sie sich
auch vorher nie sahen.

In Kenmore nahm uns abermals ein guter Gasthof auf, umringt von etwa
zwanzig solcher Huetten, wie wir oben beschrieben. Sie machten
das ganze Dorf aus. So klein sind alle Doerfer, die einzelnen Wohnungen
liegen sehr zerstreut, oft meilenweit voneinander.



Killin


Eine sehr kleine Tagesreise von Kenmore liegt Killin. Von ersterem Orte
an wurden die Felsen immer hoeher und wilder. Wir fuhren an ihrer Seite
hin, fast immer im Angesichte des Stroms. Dieser ward nun zum See
Loch Tay. Drohende, starre Felsen erhoben sich furchtbar ueber
unserem Haupte, immer hoeher und hoeher uebereinander, waehrend wir
den laengs dem Ufer des Sees sich hinwindenden Weg verfolgten.
Wolken in seltsamer Gestalt umlagerten die hoechsten Gipfel der Berge
und wogten im Winde, kamen und schwanden, alles um uns war feierlich,
gross und einsam. Wir erstiegen, gefuehrt von einem Einwohner des Tales,
den Gipfel eines Berges. Unsere Fuehrer nannten ihn uns Ben Lawers.
[Fussnote: Johanna irrt hier; der hoechste Berg Schottlands und damit
auch Englands ist der 1343m hohe Ben Nevis. Selbst Ben More ist
niedriger als der von Johanna erstiegene Ben Lawers.]
Die Aussicht oben war eine der einsamsten der Welt, wir erblickten
nur andere kahle, schauerliche Felsen und zwischen ihnen dunkle
einsame Taeler. Ben More, der hoechste Berg in Schottland, drohte aus
der Ferne, das Haupt in graue Nebel gehuellt. Herden von jenen
kleinen Schafen, gefuehrt von einem einsamen Knaben, belebten allein
die feierliche Wueste.

Wir kehrten zurueck zum Loch Tay und erreichten bald Killin, ein einsames,
ziemlich ansehnliches Haus, umgeben von einigen, hart am Ufer des Sees
erbauten Huetten. Die Fluesse Dochart und Lochay fallen hier in den
See und bilden in sanften Kruemmungen kleine Halbinseln. Das Tal,
welches diesen einschliesst, ist so gruen, Baeume und Straeucher wachsen
in so ueppiger Fuelle, wie wir es nimmer in diesem noerdlichen Winkel
der Welt erwarten konnten. Alles ist angebaut wie ein Garten,
kleine wogende Kornfelder wechseln mit Kartoffelbeeten, und
steinerne Einfassungen schuetzen die Felder gegen Beschaedigung durch Tiere
des Waldes und der ueberall weidenden Schafe. Hohe Felsen umgeben
dies liebliche Plaetzchen, als wollten sie es wie ein schoenes Geheimnis
den Augen der Welt verbergen. Lange hielt uns noch die herrliche Aussicht
auf Fels und Tal am grossen Erkerfenster im Gasthofe zu Killin fest.
Sie ist als eine der schoensten in diesem Lande beruehmt, wie unzaehlige
Inschriften, in Prosa und in Versen, an diesem Fenster verkuenden,
und wahrlich, sie verdient diesen Ruhm.

Der See bildet gerade vor dem Hause eine kleine, wunderschoene Bucht, ein
einsamer Kahn durchschnitt die silberne Flaeche in mannigfaltigen
Wendungen. Baeume und Straeuche spiegelten sich im klaren Wasser, die
Felsen gluehten ringsumher im Abendbrot, die Nebel, welche ewig ihre
Gipfel umwogen, glaenzten wie Purpur und Gold, und aus dem Kahn zu uns
herueber toenten die klagenden Mollakkorde eines schottischen Volksliedes
durch die feierliche Stille der sinkenden Nacht.

Waehrend wir in stiller Freude an diesem Fenster verweilten, besorgten
unsre treuherzig freundlichen Wirte alles auf's Beste, wessen wir
bedurften. Bald dampfte eine koestliche Lachsforelle auf dem Tisch,
die Beute jenes Fischers, dessen einfaches Lied wir eben belauscht hatten.
Diese Bewohner der schottischen Seen sind von einer ganz eigenen Gattung;
sie verdienten wohl, dass unsere modernen Gastronomen einzig um
ihretwillen Wallfahrten nach Schottland anstellten, denn selbst
die beruehmten Forellen in der Schweiz werden an Vortrefflichkeit
von ihnen uebertroffen.

Nahe bei Killin, auf dem Wege nach Tyndrum, kamen wir am folgenden Morgen
an einem Wasserfall vorbei. Von einer betraechtlichen Hoehe eilt er
dem stillen Loch Tay zu, wild einherbrausend und schaeumend ueber
abgerissene Felsentruemmer. Seit Jahrhunderten schon glaenzen
seine Tropfen gleich Traenen auf den gruenbemoosten Steinen eines
ganz nahen Heldengrabes der Vorzeit, und sein Rauschen ertoent wie
der Nachhall der Bardenlieder, die einst hier, mit ihm wetteifernd,
die Taten des Toten besangen und seinen Geist in die ewigen Hallen
der Vaeter geleiteten.

Weiterhin wurden die Felsen immer schroffer und hoeher, oeder und
einsamer die ganze Gegend umher. Wilde Bergwasser rieselten
von allen Bergen und stuerzten hinab ins Tal, durch welches bald
silberhell, bald wild tobend ein starker Bach sich wand. Nur selten
erinnerte uns in dieser Wildnis ein kleines Kornfeld, eine niedrige
Huette, dass in dieser abgeschiedenen Einsamkeit noch Menschen leben.

Hier erscheint die Natur, wie Ossian [Fussnote: Sohn des Fingal,
Hauptheld eines irischen Sagenkreises. Durch die Mystifikation
des Schotten Macpherson ("Fingal" 1762), der seine eigenen Dichtungen
als angebliche Uebertragung alter gaelischer Lieder des Ossian herausgab,
gelangten diese Dichtungen zu grosser und weitreichender dichtungs- und
geistesgeschichtlicher Bedeutung und hinterliessen auch in der deutschen
Klassik und Romantik ihre Spuren.] sie malte, die Stroeme, die Felsen,
die uralten einzelnen Eichen. Der Wind heulte ueber die Heide,
die Distel wiegt ihr Haupt im Sturme am Grabe der alten Krieger.
Die vier grauen, bemoosten Steine erheben sich noch einsam am Huegel
der Helden und verkuenden stumm dem stillen Wanderer die Geschichte
vergangener Jahrhunderte. Viele solcher alten Denkmale sahen wir,
von den Urenkeln der Helden, deren Asche sie umschliessen, mit Ehrfurcht
geschont und bewahrt. Koenig Fingal ruht, der Sage nach, in diesem Tale,
im tiefen, dunklen Bette, und die Einwohner glauben, die geheiligte
Staette noch bezeichnen zu koennen. Ossians, seines Sohnes, Name
und Lieder sind zwischen diesen Felsen noch nicht verhallt, und die
Geister der Helden koennen noch immer von ihrem Wolkensitze der alten
wohlbekannten Toene sich erfreuen.

Wir erreichten Tyndrum, einen fast ganz allein liegenden Gasthof,
in einer schauerlich wilden Einoede, auf der hoechsten bewohnten Hoehe
der schottischen Hochlande. Der Regen stuerzte jetzt in Stroemen herab.
lange sahen wir zu, wie die schweren Wolken an den Bergen hinrollten,
einzelne Streifen von Sonnenlicht bisweilen auf Momente die nackten Gipfel
der Felsen verklaerten und der Wind den Regen wild herumpeitschte.
Gegen Abend klaerte sich das Wetter auf, wir erfreuten uns des
wunderbaren Spiels der Wolken, der Wirkung des schnell erscheinenden
und wieder verschwindenden Sonnenlichts an den Bergen. Im flachen Lande
kann man sich keinen Begriff von diesen magischen Erscheinungen machen.
Die schweren Regenwolken schienen wie eine dunkle Decke auf den
hoechsten Gebirgen zu lasten, leichteres Gewoelk zog sich wie ein
heller Schleier um andere, tiefere Berge, verdeckte sie in diesem
Momente ganz, rollte sich dann zusammen und verschwand im naechsten,
oder zog pfeilschnell dahin in wunderbaren Gestalten, im ewigen Kampfe
mit Sonnenlicht und Sturm, unendlich wechselnd mit Licht und Farbenspiel.



Dalmally


Der Weg von Tyndrum hierher war schlechter wie bisher, doch immer noch
fahrbar, die Wildnis noch schauerlicher und oeder. Nur das Rauschen
der von den kahlen Felsen schaeumenden herabstuerzenden Bergstroeme
toente durch die leblose Stille der oeden Heide. Hie und da klommen
einige Schafe an den mit spaerlichen Berggraesern und Heidekraeutern
bekleideten Felsen, einsam und traurig blickte dann und wann
ein Hirtenknabe von den Hoehen herab auf unseren Wagen, der ihm
eine seltene Erscheinung sein mochte; jede andere Spur des Lebens
war verschwunden.

Viele halb versunkene alte Graeber zeigten, dass sonst ein maechtigeres
Leben hier waltete. Am Himmel war geschaeftige Bewegung, Nebel und
Wolken und Sonne trieben immer noch ihr wunderbares Spiel.

Dalmally ist ein so kleines Dorf wie die anderen: es besteht aus
einer handvoll armer Huetten und wieder aus einem fuer diese abgelegene
Gegend sehr guten Gasthofe. Hier sahen wir die erste Kirche
in den Hochlanden. Kaum konnten wir sie von den uebrigen Huetten
unterscheiden, so arm und klein ist sie. Der sie umgebende Gottesacker
entdeckte sie uns zuerst. Nur wenige Grabhuegel erhoben sich
in dem kleinen Bezirke.

Man stirbt beinahe gar nicht in diesem Lande, diese einfachen Menschen
erreichen ein hohes, glueckliches Alter. Mit sechzig Jahren duenken
sie sich noch gar nicht alt, sie gehen bis an das von der Natur
ihnen vorgeschriebene Ziel, und nur mit dem letzten Tropfen Oel
erlischt still und fast unbemerkt das Lebenslicht. Wir sahen
in diesem Dorfe einen Mann von hundertdrei Jahren, seine Nachbarn
gaben ihm sogar deren hundertelf und beschuldigten ihn, dass er sich
juenger angebe, als er sei. In unseren kultivierten Laendern haette man
ihm deren hoechstens sechzig zugetraut. Vor vierzehn Tagen hatte er
eine Frau von vierzig Jahren geheiratet, an seinem Ehrentage
ein Taenzchen gemacht und drei Lieder auf der Sackpfeife gespielt,
denn er galt noch immer fuer einen der ersten Virtuosen auf diesem
Lieblingsinstrument der Schotten.

In diesem Dorfe wurden wir auf das lebhafteste an Ossian erinnert.
Ein Greis, in der Nationaltracht, sass auf einem Steine nahe
am Kirchhofe; sein langer, schneeweisser Bart flog im Winde,
sein Ansehen war wild, ein Paar dunkle Augen gluehten unter
einem hohen, kahlen Scheitel hervor; der Plaid hing phantastisch
von den Schultern herab, wie ein Mantel; zwischen den Knien hielt er
eine kleine Harfe, aus der er unzusammenhaengende Akkorde wie mit Gewalt
einzeln hervorriss. Mit starker, tiefer Stimme sang er dazu
alte Volksgesaenge; sein Gesang war eintoenig, fast mehr Deklamation
als Lied. Um ihn her war das ganze Dorf versammelt, unter ihnen
auch der hundertjaehrige Greis; alles hoerte feierlich aufmerksam zu.
Unser Naehertreten stoerte weder den Saenger noch seine Zuhoerer
im geringsten, nur machten sie uns mit natuerlicher Hoeflichkeit Raum
in ihrem Kreise. Man sagte uns, der Greis sei ein Saenger, der mit
seiner Harfe das Land durchziehe, ohne eigentliche Heimat,
aber ueberall ein willkommener Gast, wie sonst die alten Barden.
Leider konnten wir mit ihm nicht sprechen, denn er verstand nicht
Englisch. Ueberhaupt trafen wir seit einigen Tagen selten jemanden,
der Englisch sprach oder es auch nur verstand, ausser in den Gasthoefen.



Inverary


Ueber steile, unwirtbare Berge ging es weiter. Ploetzlich senkte sich
der Weg; ein grosser silberner See breitete sich vor unseren
erstaunten Blicken aus; es war Loch Awe. Frische schoene Baeume,
kleine Gaerten vor den Huetten des Landmanns und Getreidefelder
begrenzten seine Ufer.

Vierundzwanzig englische Meilen lang streckte er sich hin durch
das gruenende Tal, viele kleine Inseln erheben aus seinen Fluten
die Felsenstirnen. Eine darunter zeichnet sich durch phantastisch
geformte hervorragende Massen aus. Von fern glichen sie Ueberresten
alten Gemaeuers, selbst mehr in der Naehe konnten wir nicht entscheiden,
ob es Felsen oder Ruinen waeren. Kein Kahn war in der Naehe,
uns hinueberzubringen; auch schienen die Ufer zum Landen zu schroff.
Einige Einwohner, denen wir begegneten, verstanden unsere Sprache nicht.
Unbefriedigt ueber diesen Punkt mussten wir weiter, aber der Anblick
des Sees und seiner schoenen Ufer erfreute uns umso lebhafter,
als wir mehrere Tage lang die Natur in ihrer furchtbaren Groesse
angestaunt hatten. Im Gasthofe zu Inverary erfuhren wir spaeter,
dass jene Felsenbloecke wirkliche Ueberbleibsel eines uralten,
zu den Besitzungen des Lord Breadalbane gehoerenden Schlosses seien.
Nur bei sehr hohem Wasserstande, wie jetzt, erscheint der Fels,
den sie kroenen, einer Insel gleich; sonst haengt mehr mit dem Ufer
zusammen.

Zu bald mussten wir uns von dem herrlichen See wegwenden,
um steilere Felsen als zuvor zu erklimmen; alles um uns ward
wieder still, gross und schauerlich. Abermals senkte sich nun der Weg,
frisches Laubgehoelz nahm uns auf in seine freundlichen Schatten;
bald sahen wir uns in einem schoenen englischen Park, angestaunt
von zahmen Rehen, die am Wege standen. Mitten drinnen ein gotisches
Schloss mit vier runden Ecktuermen.

Wir befanden uns jetzt in einer wahrhaft paradiesischen Gegend.
Vor uns lag das schoene grosse Schloss Inverary, der Sitz des Herzogs
von Argyle, mitten in einem durch herrliche Baeume und Buesche
verschoenten fruchtbaren Tale. Lustpfade schlaengeln sich
nach verschiedenen Richtungen hindurch, alle lockend und lieblich.
Im Hintergrunde erheben schoene waldbewachsene Felsen das stolze Haupt,
seitwaerts dem Schlosse winkt der eigentliche Garten voll bluehender
Rosenbuesche; die zahmen Rehe schleichen neugierig um das leichte
Gelaender, das ihn umgibt; auf der anderen Seite erhebt sich ein hoher,
schroffer Felsen von wunderbar drohender Gestalt. Seine Spitze
kroent ein Pavillon, zu welchem man ohne sehr grosse Beschwerden
auf bequemen Pfaden steigt und dort eine Aussicht von unendlicher
Schoenheit geniesst, die alles vereint, was die Natur Erhabenes
und Freundliches darbietet. Kornfelder, Wiesen, Gebuesch fuellen
in der reizendsten Mannigfaltigkeit das uebrige Tal.

Vom Schlosse an erstreckt sich eine schoene Wiese bis hinab an
den Loch Fyne. Dieser ist eigentlich ein schmaler Meerbusen,
der hier tief in das Land hineinlaeuft. Eine schoene Bruecke woelbt sich
dicht am Schlosse ueber ihn. Nahe und ferne Berge dehnen sich
an beiden Ufern hin. Die Laenge des Loch Fyne ist dem Auge unuebersehbar,
das ferne Meer, dem er angehoert, begrenzt ihn; gruen wie dieses
spiegelt seine dunkle Flaeche, kleine, weisse Wellen huepfen
wie im Tanz und schaukeln lustig die Fischerboote, kleine Schiffe
und Barken, die darauf schwimmend der Szene neues frisches Leben
geben.

Dem Schloss seitwaerts ueber der Bruecke liegt das Staedtchen Inverary,
mit dem kleinen Hafen voll Fahrzeugen mancher Art. Es hat ein
sehr zierliches, nettes Ansehen mit seinen geraden Strassen und
den weissen huebschen Haeusern, unter denen der Gasthof sich stattlich
erhebt. Alles sieht aus, als waere es erst gestern fertig geworden.
Und so ist's beinahe auch. Sonst lag die Stadt dem Schlosse gegenueber,
aber der Herzog, dem sie an der Stelle die Aussicht zu verderben
schien, liess sie abtragen und an ihrem jetzigen Platze wieder
aufbauen. So etwas kann man denn doch wohl nur in Grossbritannien
erleben.



Arrochar


Von Inverary bis Cairndow fuhren wir neun englische Meilen auf schoenem
ebenen Wege durch ein fruchtbares, angebautes Tal, fast immer laengs dem
Ufer des Loch Fyne. Wir haetten geglaubt, irre zu fahren, wenn das hier
moeglich waere, wo nur eine fahrbare Strasse durch das Gebirge fuehrt: denn
der Kastellan im Schloss von Inverary hatte uns den Weg, welchen wir
jetzt nehmen mussten, als den fuerchterlichsten im ganzen Lande
beschrieben; dunklere Kluefte, steilere, oede Felsenberge sollten wir noch
nicht gesehen haben, besonders sprach er viel von einem hohen Berge, er
nannte ihn rest and be thankful, ruht und dankt.

Gleich hinter Cairndow merkten wir indessen gar wohl, dass wir uns
auf dem rechten Wege befanden. Das Steigen begann, der See,
das schoene Tal und alle Anmut der Gegend verschwanden unserem Blicke.
Mehrere Stunden hindurch ging es immer hoeher und hoeher, ueber nackte
Felsen, durch dunkle enge Kluefte, zuweilen durch duestere Taeler,
dann wieder hoch auf Bergen. Nur feines gruenes Moos deckt wie ein Teppich
das Gestein, sonst keine Vegetation, kein Leben, Totenstille und
oede Einsamkeit herrschten ringsumher. Kein laut ertoent in diese Wueste
als das Brausen der Felsenbaeche, die hin und wieder hinabstuerzen;
keine Spur menschlichen Daseins ist sichtbar, ausser zuweilen
eine jener armen Huetten, neben dem schaeumenden Bache in eine
Felsenecke gedrueckt, einsam verloren. Diese traurigen Wohnungen
machen die Einsamkeit noch auffallender. Im Winter muessen ihre
Bewohner, ausgeschlossen von aller Moeglichkeit, zu Menschen zu kommen,
ein Leben fuehren wie auf einer wuetenden Insel, und noch verlassener
hier in diesem Lande, wo der Himmel auch im Sommer nicht freundlich
laechelt. Dennoch veraendern sie ihren Aufenthalt nie. Bei aller Oede
traegt diese Gegend aber auch den Charakter unbeschreiblich
erhabener Groesse. Die maechtigen Felsen stehen ringsumher wie
anbetende Riesen, in schauerlichem Schweigen; die rote Bluete
des Heidekrauts bedeckt ihre kolossalen Konturen mit einem Purpurmantel,
ohne sie zu verhuellen; ihre Haeupter sind umwogen von ewigen Nebeln,
die ihm Sonnenstrahl zur Glorie werden; ein leiser, feuchter Duft
schwebt ueber Berg und Tal, mit magischem Schimmer alles harmonisch
vereinend.

Endlich hatten wir den steilsten Gipfel des Weges erreicht; rest and
be thankful lasen wir auf einen Stein gegraben und daneben die Namen
der Regimenter, welche unter der Leitung ihrer Obern diesen Weg
bahnten.

Hier begegneten wir dem einzigen Wanderer auf dem ganzen Wege
durch diese Wueste, einem jungen, raschen, in seinen Plaid gehuellten
Hochlaender. Er sprach ein wenig Englisch und half uns bereitwillig,
eine nahe Anhoehe zu ersteigen, wo eine ausgebreitete Ansicht
sich uns eroeffnete.

Doch uebersahen wir die imposanten Massen, die schwarzen zackigen
Kronen unzaehliger anderer, von aller Vegetation entbloesster Berge;
die Wasserfaelle, die von ihrer Seite herabtanzen und sich in
dunklen Tiefen verlieren, ohne dass wir ihr Brausen auf dieser Hoehe
vernehmen konnten. Zwischen diese Felsen eingeklemmt liegt auch
das schauerliche Tal Glencoe [Fussnote: dieses Tag liegt am Ostende
des Loch Linnhe und ist von Johannas Standpunkt aus nicht zu sehen.
Am 13. Februar 1692 wurden viele Schotten vom Clan der Macdonalds
durch englische Soldaten erschlagen, denen sie Gastfreundschaft
gewaehrt hatten], dessen Einwohner zu Ende des fuenfzehnten Jahrhunderts
in einer Nacht unter dem meuchelmoerderischen Schwerte der nach Rache
duerstenden Englaender fielen, weil sie mit Treue dem Koenige anhingen,
den sie als den einzigen rechtmaessigen Erben der schottischen Krone
anerkannten.

Wie Vogelnester erschienen von hier aus die wenigen kleinen Wohnungen
am Fusse der Felsen oder am Eingange der schauerlichen, duesteren Taeler,
die so enge sind, dass sie, groesseren Felsspalten gleich, wohl nur
wenig Stunden des Tageslichts sich erfreuen. Hin und wieder sahen
wir auch in der Ferne Herden jener kleinen Schafe kuemmerlich
die Spitzen der Heidekraeuter benagen. Nur auf einem Punkte schimmerte
uns dunkelblau ein Wasser und etwas Gruen entgegen: es war Loch Long,
an dessen Ufer Arrochar liegt, das Ziel unserer heutigen Reise.
Nun ging es tief hinab, immerfort ueber oede Felsen, durch
duestere Kluefte und enge Taeler, bis zu den Ufern des Loch Long,
der wie ein Strom sich durch ein Felsental windet.

Dieser See ist eigentlich ein hier tief in das Land sich erstreckender
Arm des atlantischen Meeres. Steile Felsen steigen senkrecht
aus seinen salzigen Fluten und streuen ewig dunkle Schatten ueber
sie hin, waehrend auch im Sonnenscheine die Bergwasser glaenzen,
die von hohen Gipfeln hinab von allen Seiten zueilen.

Arrochar, ein einzelner Gasthof, von wenigen Huetten umgeben,
liegt hart am Ufer des Sees. In frueheren Zeiten war dieses Haus
der Sitz einer edlen Familie, und noch immer erkennt man
in dessen Bauart die Spuren jener hoeheren Bestimmung.



Loch Lomond


Wenige Meilen von Arrochar gelangten wir durch Schluchten, welche sich
zwischen hohen Bergen eng hinwinden, an die Ufer dieses schoensten
und groessten Sees in den Hochlanden. Laendliche Anmut und erhabene Groesse
wechseln in seinen Umgebungen. Bald scheinen die praechtigen,
groesstenteils waldbewachsenen Berge sich um ihn zu draengen, als wollten
sie sich in seinen klaren Fluten spiegeln; dann treten sie wieder
zurueck, und Wiesen und Felder umgeben das glaenzende Gewaesser.

Zuerst empfing uns ein frischer, gruener Wald am Ufer; unter hohen
Laubgewoelben fuhren wir hin und freuten uns des Silberglanzes
im See und der mannigfaltigen Reflexe. Ein hoher Berg, einer der hoechsten,
ueber die wir bis jetzt gekommen waren, stellte sich uns in den Weg;
wir erreichten seinen Gipfel, der Weg senkte sich, und vor uns,
unabsehbar breit, in aller seiner hohen Pracht, lag der ganze,
herrliche See da, besaet mit kleinen und groesseren gruenenden Inseln,
zwischen denen Fischerboote hindurchruderten. Millionen weisse,
sich kraeuselnde Wellchen belebten die silberne Flaeche, aus der
auf der anderen Seite der maechtige Ben Lomond senkrecht emporsteigt,
bis zu den Wolken, die sein Haupt verhuellen.

Die ganze Gegend ist von so wunderbarer Schoenheit, dass jeder Versuch,
sie zu beschreiben, vollkommen zwecklos waere; aber nie werden wir
den Tag vergessen, den wir an diesen Ufern verlebten.

Unsere Herberge in dem hart am See erbauten Doerfchen Luss, leider
dem letzten Orte in den Hochlanden, durch den wir kamen, war indessen
gar nicht erfreulich. Eine Gesellschaft betrunkener Bergschotten
hatte sich in einem der unteren Zimmer einquartiert und tanzte
zu einer verstimmten Violine und einem Dudelsack, ganz unter sich,
ohne Frauenzimmer, auf's lustigste herum. Die Maedchen hatten
nicht bleiben wollen, das hinderte aber die Maenner nicht, dennoch
ihre Nationaltaenze aufzufuehren und sich vortrefflich dabei zu divertieren.
Das pferdemaessige Stampfen, das Freudengekreisch bei irgend einem
wohlgelungenen Sprunge wuerde uns in's Freie getrieben haben,
wenn uns die himmlische Gegend nicht herausgelockt haette. Nur fuer
die Nacht war uns bange, und nicht ohne Grund. Unser Wirt war
ebenfalls betrunken und dabei so gesellig, dass wir ihn alle Augenblicke
aus dem Zimmer komplimentieren mussten. Seine Tochter, ein sehr
huebsches Maedchen, erschien uns dabei recht interessant; sie gab sich
alle Muehe, den Vater zur Ruhe zu bringen, und doch mit so zarter Schonung,
immer strebend, das kindliche Verhaeltnis nicht zu verletzen,
und wieder wie beschaemt, dass wir, die Fremden, die so weit herkamen,
ihre Berge zu sehen, ihn in solchem Zustande treffen und dadurch
an Bequemlichkeit leiden mussten.


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